Bulle und Bär
Ölreserven im Wert von 44 Billionen Dollar

Auch hartgesottene Börsianer sind überrascht, wenn sie mit 44 Billionen Dollar konfrontiert werden. Als Zahl ist das eine 44 mit zwölf Nullen. Es handelt sich um die neue Eckmarke im internationalen Machtpoker um die Energiequelle schlechthin: Öl.

FRANKFURT. Die Zahl stammt von Morgan Stanley. Analyst Stephen Jen hat den Wert der nachgewiesenen Reserven der Golfstaaten ausgerechnet. So bekommt der Begriff Bodenschätze eine ganz neue Dimension: Mit jedem Dollar Anstieg des Barrelpreises werden die Reserven 450 Milliarden Dollar mehr wert.

Das Spiel mit den Nullen ist kein wirklichkeitsfremdes Zahlenjonglieren. Immer mehr Schwellenländer packen ihre rasant steigenden Exporteinnahmen vor allem aus der Rohstoffausfuhr in sogenannte Staatsfonds. Das darin angesammelte und rasant wachsende Kapital soll in den Aufbau der Infrastruktur und in die Zukunftssicherung fließen.

Bisher haben die Golfstaaten in ihren Staatsfonds 1,5 Billionen Dollar akkumuliert, angesichts der Reserven eine fast bescheidene Summe. Aber allein die Öleinnahmen der Länder von jetzt jährlich 610 Milliarden Dollar pumpen die Volumina der Fonds auf. Die Preisverzehnfachung der vergangenen acht Jahre hinterlässt ihre Spuren. So deutet sich über die kommenden Generationen ein gewaltiger Vermögenstransfer von Öl in Anlagekapital an.

Ein größerer Teil des aufgebauten Vermögens muss in Aktien fließen. Dividendenwerte bleiben langfristig die attraktivste Anlageklasse - allen aktuellen Turbulenzen zum Trotz. Auch dazu liefert Morgan Stanley markante Zahlen. Im vergangenen Jahrhundert haben sich Öl, Anleihen und Geldmarktanlagen nur verachtfacht, Aktien sind 400mal teurer geworden. Öl war auf sehr lange Sicht und in der Rückschau ein lausiges Investment. Aus dem Blickwinkel der Golfstaaten dürfte daher die Ölförderung und der anschließende Vermögenstransfer in Börsenwerte attraktiver sein, als die Bodenschätze einfach unter der Erde zu lassen und weitere Preiszuwächse abzuwarten.

Derzeit stecken laut Schätzungen 40 Prozent des Fondskapitals in Aktien, je 30 Prozent in Anleihen und alternativen Investments. Die Quote liefert auch für typischerweise aktienscheue Privatanleger ein Vorbild für die langfristige Vermögensstruktur. Staatsfonds und die Privaten verfolgen schließlich das gleiche Ziel: Zukunftssicherung mit einem intelligenten, sprich hochrentierlichen Kapitalaufbau über Jahrzehnte.

Der Durchschnittsinvestor muss die 100-Jahre-Statistik allerdings richtig deuten, darf die Anlage in Öl nicht beiseite schieben. Für ihn sind auch Trends über Jahre oder Jahrzehnte wichtig - und die Rohstoffhausse ist intakt. Wenn dem Anleger schon die Milliarden der Staatsfonds und die eigenen Quellen im Vorgarten fehlen, kann er doch an den steigenden Ölpreisen mitverdienen. Die 30-Prozent-Quoten für Aktien und Alternatives geben dazu üppigen Spielraum.

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