Bulle & Bär
Ölscheichs im Geldrausch

Zwischen Kuwait am nördlichen und dem Oman am südlichen Ende des Persischen Golfs können die Finanzminister der ölreichen arabischen Staaten ihr Glück kaum fassen. 82 US-Dollar erlösen sie derzeit für ein Barrel Öl.

DÜSSELDORF. Volkswirtschaftliche Prognosen werden im Wochentakt nach oben geschraubt. Ohnehin wissen die Staaten nicht, wohin mit dem Geld: Die größten Ölexporteure am Golf zusammen erwirtschaften nach Berechnungen der in Dubai ansässigen Investmentbank Shuaa Capital in diesem Jahr einen Handelsbilanzüberschuss von 190 Mrd. Euro.

Zugegeben: An exotischen Investmentideen herrscht in Zeiten von BRIC, Next 11, Third Wave und Co. kein Mangel. Wer aber bislang dem Anstieg des Ölpreis hinterhergesehen hat, findet mit einer Investition in die Golfregion eine spannende Spekulation, die zudem das Depot gegen hohe Ölpreise immunisiert. Zu Unrecht fristet die Anlageregion auf der arabischen Halbinsel in der globalen Wahrnehmung ein Schattendasein. Immerhin umfasst das arabische Investment-Universum inzwischen Aktien mit einem Börsenwert von rund 700 Mrd. Euro.

Den Crash, den viele Anleger nach fast fünf Jahren Bullenmarkt an den etablierten Märkten fürchten, haben die Golfstaaten bereits hinter sich. Der marktbreite MSCI Arabian Markets Index notiert 35 Prozent, die Märkte in Dubai und Riad gar 60 Prozent unter den 2006 erzielten Höchstkursen. Seinerzeit trieben lokale Spekulanten die Kurse in absurde Höhen, und die Exzesse stellten selbst die des Neuen Markts anno 2000 in den Schatten. Saudische Anleger überfielen 2005 eine geschlossene Bank in Dubai, nur um Zeichnungsscheine für Neuemissionen auszufüllen. In Qatar erweckten Anleger Hunderte verstorbene Verwandte auf dem Papier zu neuem Leben, um für sie Depots zu eröffnen und Neuemissionen zu zeichnen.

Die Euphorie wich der Depression, obwohl der Crash zu keinem Zeitpunkt auf die Konjunktur oder den lokalen Banksektor übergriff. "Inzwischen beträgt das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis arabischer Aktien 13, das Gewinnwachstum der Unternehmen aber 21 Prozent pro Jahr", sagt Rashad Khourshid, Manager des Meridio Arab World Fonds. Der zu Jahresbeginn aufgelegte Fonds hat inzwischen mit dem Frankfurt Trust Emerging Arabia Konkurrenz bekommen. Auch Deka und JP Morgan bieten Fonds mit einem weiter gefassten Anlageuniversum einschließlich der Türkei und Nordafrika an.

Größter Hemmschuh für steigende Notierungen ist die Rivalität der Golfanrainer auf nahezu allen Ebenen, angefangen von Prestigebauten im Immobiliensektor über den Tourismus bis hin zu Fluggesellschaften. Ein zentraler Börsenplatz, der die nach Jahren der Abschottung illiquiden Märkte beleben könnte, ist nicht in Sicht. Auch die für 2010 geplante Einheitswährung der sechs Staaten des Golfkooperationsrats stockt. Kräftige Kursschwankungen dürften Investoren daher weiter erhalten bleiben.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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