Bulle und Bär
Offene Biotech-Versprechen

Es gab einmal Zeiten, da genügte schon das Wort "Biotech" im Firmennamen für kühnste Hoffnungen und Bewertungen. Doch die liegen inzwischen mehr als sieben Jahre zurück. Investoren der Biotechwelt müssen sich seither mit einem Auf und Ab auf bescheidenerem Niveau begnügen. Und die Chancen für eine Renaissance auf breiter Front sind nach wie vor eher gering.

FRANKFURT. Zwei Faktoren spielen dabei eine Rolle: Zum einen das derzeit schwierige Umfeld im Pharmageschäft, dem mit Abstand wichtigsten Betätigungsfeld für Biotechfirmen, zum anderen aber auch die mangelnde Forschungs-Effizienz der Branche selbst.

In der Arzneimittelindustrie vollzieht sich derzeit ein schleichender Umbruch, geprägt von rückläufigen Wachstumsraten, härterer Konkurrenz durch Generika und stetig wachsenden Anforderungen an Neuentwicklungen, was Sicherheit sowie Kosten-Nutzen-Relationen betrifft. Das zwingt große Arzneimittelkonzerne zusehends zu umfangreichen Sparprogrammen und wird womöglich eine neue Konsolidierungswelle anstoßen, die noch deutlich härtere Einschnitte nach sich ziehen könnte.

Auch wenn dabei die Budgets für Forschung und Entwicklung nicht unbedingt im Vordergrund stehen. Die Luft für weitere Steigerungen wird tendenziell dünner - und damit letztlich auch das Marktpotenzial für die Forschungs-Zulieferindustrie Biotech. Im Prinzip ist Big Pharma dabei stärker denn je auf Neuentwicklungen aus der Biotechnologie angewiesen. Aber das Problem besteht auch darin, das die Biotechbranche derzeit gar nicht genug zu bieten hat, um den Innovationshunger der Pharmabranche wirklich zu stillen.

Denn sieht man einmal von den Anfangserfolgen mit Produkten wie Insulin und einigen anderen Wachstumsfaktoren ab, konnte sie den Anspruch, bessere und schnellere Techniken für neue Medikamente zu liefern, bisher nie wirklich einlösen. Eine Fülle neuer Verfahren wie Genom-Analyse brachten statt dessen zusätzliche Komplexität. Ähnlich wie klassische Pharmawirkstoffe quält sich auch die Durchschnittsinnovation aus der Biotechwelt ein oder zwei Jahrzehnte lang zur Marktreife, und hinterlässt dabei Dutzende von Flops am Wegesrand.

Ein dauerhaftes Pharmageschäft aus der Biotechnologie heraus aufzubauen, bleibt daher nach wie vor extrem schwierig. Und Beispiele wie die nun zum Verkauf stehende Biogen-Idec zeigen, dass selbst anfängliche Erfolge keine Garantie auf dauerhafte Innovationskraft geben. Auch drei Jahrzehnte nach den ersten Anfängen arbeitet die Biotech-Industrie als Ganzes weiterhin mit Verlust.

Das alles sind, wie gesagt, aggregierte Betrachtungen, die den Erfolg im Einzelfall keineswegs ausschließen. Es wird weiterhin großartige Erfolgsgeschichten à la Gilead, Celgene oder Actelion geben. Aber eine grundlegende Neubewertung des Sektor können solche Glanzlichter keineswegs garantieren.

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