Bulle & Bär
Offene Immobilienfonds: Handeln statt zanken

Mehrere Zehntausend Menschen haben Geld in offene Immobilienfonds investiert, an das sie frühestens Ende Januar wieder herankommen. Es geht um Anteile im Wert von insgesamt mehr als 30 Mrd. Euro. Das kann für Einzelne Anleger dramatisch sein.

DÜSSELDORF. Etwa, weil gerade eine Anschaffung geplant war, für die das Geld angespart wurde. Andere haben Jahre eingezahlt, um nun Monat für Monat ihre Rente durch Ratenzahlungen aus dem Fondsguthaben aufzubessern.

Den Rentnern versuchten die Anbieter wenigstens zu helfen. Einige Gesellschaft bedienten Auszahlungspläne weiter. Das ging ein paar Tage gut. Dann kündigte die Finanzaufsicht (BaFin) an, sie werde die Bedienung von Auszahlungsplänen untersagen.

Hier die guten Fondsanbieter, die ihren Anlegern helfen, dort die böse Aufsicht, die die armen Rentner in den Hunger treibt? Und ein Verband, der beklagt, dass der öffentliche Streit über die Auszahlungspläne dem Ruf der Immobilienfonds schadet.

Doch Krisengespräche und juristische Scharmützel mit der Aufsicht lenken davon ab, dass die Branche die Situation selbst verschuldet hat. Anders als nach der Krise vor drei Jahren versprochen, ließ sie doch wieder Geld institutioneller und privater Großanleger in die Fonds. Und die zogen ihr Geld im Oktober so schnell ab, dass die Fonds an die Liquiditätsgrenze gerieten und die Anteilsrücknahme aussetzen mussten. Nun erklären sie wortreich, wieso sie die Investitionen der Großanlegern in ihren Fonds nicht verhindern konnten und verlangen Gesetze, die das schnelle Kassemachen der Institutionellen verhindert. Dabei wollten sie vor drei Jahren genau das selbst regeln, statt es dem Staat zu überlassen. Die Selbstregulierung ist gescheitert - die Kleinanleger sind die Dummen.

Was tun die Anbieter nun für ihre Kunden? Die Postbank springt für Credit Suisse Asset Management (CSAM) in die Bresche. Sie kauft nach eigenen Angaben Kunden in Notlage Anteile des von ihr vertriebenen CSAM-Fonds CS Euroreal ab. Die gehen in den Eigenbestand der Bank. Die Zahl sei aber gering, sagte ein Banksprecher. Ob das an den Auslesekriterien liegt - also an der Abgrenzung, welcher Anleger in Notlage ist -, wird die Öffentlichkeit nicht erfahren. Es ist aber bekannt, dass sich die von Auszahlungsplänen verursachten monatlichen Abflüsse aus den Fonds gemessen an deren Volumina im Promillebereich bewegen.

Und was machen die anderen Gesellschaften? Sie verweisen auf den Börsenhandel mit Fondsanteilen - der in der Regel zum Verlustgeschäft wird. Oder sie erinnern an die Möglichkeit die Anteile zu beleihen. Die SEB bietet nun in Notfällen zinslose Kredite an.

Statt sich mit der Aufsicht zu zanken, sollten die Eigner der Immobilieninvestmentfirmen Anteile von Kunden in Not aufkaufen. Das wäre kulant und kostengünstige Werbung. Und ein Anleger, der das Geld nicht dringend braucht, sollte es lassen wo es ist - im Immobilienfonds. Denn in dieser Krise schlägt sich kaum ein Anlageprodukt besser als der Immobilienfonds.

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