Bulle & Bär
Ohrfeigen für die Profis

Pünktlich zum Dezember-Ultimo rufen die Börsianer zum jährlichen Analysten-Watschen. Dann bekommen fast alle der Profis ihre Ohrfeigen. Eine dicke Backe holen sich dieses Mal vor allem die Devisenauguren. Vor einem Jahr sahen sie den Euro zum Ultimo 2006 bei 1,24 Dollar. Jetzt hat die Gemeinschaftswährung schon die Hürde von 1,33 genommen. Sie scheint auch eher weiter nach oben zu springen als sich in Richtung der prognostizierten Zielmarke zurückfallen zu lassen.

FRANKFURT. Dass der Euro die Muskeln spannt, ist nur ein Teil der Wahrheit. Die Gemeinschaftswährung wird zwar von guten Konjunkturdaten beflügelt. Noch wichtiger aber ist die Dollarschwäche. Der Greenback leidet unter den sich eintrübenden Wirtschaftsperspektiven in den USA. Vor allem der Häusermarkt drückt auf die Stimmung: Das Ende der jahrelangen Überhitzung steht an. Manche Skeptiker warnen schon vor einer Eiszeit, die auch die Gesamtkonjunktur in frostige Starre versetzen würde.

Der Dollar hat weitere Schwachstellen, etwa die hohe und dramatisch weiter wachsende US-Verschuldung. Ein anderer wunder Punkt: Anleger rund um den Globus überdenken ihre Einstellung zur Leitwährung. Investoren und Notenbanken erkennen, dass ihre Währungsreserven zu stark auf US-Vermögenswerte zugeschnitten sind – meist Staatsanleihen. Es kann nie gut sein, alle Eier in einen Korb zu legen, heißt die erste Regel zur Vermögensstreuung. Banker und Regierungsvertreter beispielsweise aus China, Australien und den Vereinigten Arabischen Emiraten haben in den vergangenen Wochen angekündigt, bei ihren Dollar-Investments kürzer zu treten. Ganz ähnlich äußerten sich die japanischen Lebensversicherer. Es geht insgesamt um mehrere tausend Milliarden Dollar.

Nun wenden die Optimisten ein: Der Greenback wurde schon oft totgesagt, ist aber lebendig wie eh und je. Allerdings waren die Zeichen für einen Dollarrückgang noch nie so deutlich wie zurzeit. Einige Schwarzseher erwarten sogar eine regelrechte Flucht aus der Währung. Der Prognose mögen die Anleger glauben oder nicht. Das Nachdenken über die Folgen einer Währungs-Talfahrt lohnt allemal.

Ein massiver Dollarrutsch müsste Inflation und Anleiherenditen in den USA nach oben treiben. Eine der härtesten Prognosen stammt vom kleinen und immer sehr meinungsfreudigen amerikanischen Analysehaus Weiss Research. Danach könnten sich die Renditen der lang laufenden US-Staatsanleihen von derzeit knapp 4,5 Prozent in den kommenden Monaten glatt verdoppeln. Die Finanzmärkte dürften in die Knie gehen.

Das riecht nach Panikmache. Doch können Anleger kaum einen Fehler machen, wenn sie zumindest eine Dollar-Übergewichtung vermeiden. Man fühlt sich an eine Lebensweisheit erinnert: Bleibe im Euro-Lande und nähre dich redlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%