Bulle & Bär
Opec in der Zwickmühle

Nach der Opec-Tagung ist vor der Opec-Tagung: Selten hat sich das so deutlich gezeigt wie bei der jüngsten Sitzung der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) Ende vergangener Woche. Noch war die Bekanntgabe des Beschlusses nicht ganz verklungen, da meldeten sich bereits neue Stimmen aus dem Ölkartell.

DÜSSELDORF. Nach der Opec-Tagung ist vor der Opec-Tagung: Selten hat sich das so deutlich gezeigt wie bei der jüngsten Sitzung der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) Ende vergangener Woche. Noch war die Bekanntgabe des Beschlusses nicht ganz verklungen, da meldeten sich bereits neue Stimmen aus dem Ölkartell. Iran forderte eine Kürzung der Ölförderung; darüber müsse auf der nächsten Opec-Sitzung im März gesprochen werden, sagte der iranische Ölminister Gholamhossein Nosari. Die Drosselung sei nötig, um die Ölpreise angesichts einer möglichen Rezession in den USA zu stützen.

Dabei war gerade die Sorge über die drohende Rezession in den USA der Grund für die Opec, ihre bislang recht hohen Produktionsquoten zunächst einmal nicht zu ändern. Denn mit Blick auf den erwarteten weltweiten Konjunkturabschwung ist das Ölkartell in die Klemme geraten. Einerseits könnte die Ölnachfrage im Fall einer Rezession einen kräftigen Dämpfer erhalten. Die Folge wäre ein Preisrückgang, der ganz sicher nicht im Interesse der Kartellmitglieder ist. Eine zu schnelle Drosselung der Förderung könnte andererseits an den internationalen Energiemärkten erneute Verknappungssorgen auslösen und so die Rohölpreise nach oben treiben. Dies hätte wiederum den unerwünschten Nebeneffekt, dass der Konjunkturabschwung durch die Verteuerung noch einmal verstärkt werden könnte.

Wie stark die internationalen Rohölmärkte zurzeit von den Konjunkturdaten in den USA abhängen, zeigte gerade erst der ISM-Index, der die Entwicklung der Wirtschaft außerhalb des verarbeitenden Gewerbes widerspiegelt. Die Bekanntgabe eines deutlichen Index-Rückgangs ließ auch die Ölpreise weiter nach unten purzeln.

Von dem Höchststand gleich zum Start ins Neue Jahr haben sich die Preise ohnehin inzwischen deutlich entfernt. Am 2. Januar war Öl der US-Richtmarke WTI kurz über die magische Marke von 100 Dollar je Barrel (159 Liter) gesprungen. Doch seither geht es unter Schwankungen mal mehr, mal weniger stark bergab. Sowohl das US-Leichtöl WTI als auch das europäische Brentöl haben sich auf einem Niveau um "nur noch" 90 Dollar eingependelt.

Es ist damit zu rechnen, dass die Notierungen noch ein Stück weiter fallen werden. Dafür spricht nicht nur die konjunkturelle Eintrübung, sondern auch die Jahreszeit. Schließlich dauert es nicht mehr lang bis zu den Frühjahrsmonaten, in denen weniger Öl verbraucht wird.

Aus Sicht der Kartellmitglieder ist es also der richtige Zeitpunkt um gegenzusteuern, sprich die Förderung zu senken. Denn ganz offensichtlich versucht die Opec das aktuelle Preisniveau zumindest in etwa zu halten. Aus Sicht der Verbraucher verringert sich damit die Chance für einen deutlichen Rückgang der Rohölnotierungen. Auch Marktteilnehmer, die auf kräftig sinkende Ölpreise spekulieren wollen, sollten die Opec mit ins Kalkül nehmen und vorsichtig agieren.

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