Bulle und Bär
Papier des Grauens

Wie muss man sich derzeit die Horror-Aktie schlechthin vorstellen? Man nehme eine hohe Abhängigkeit vom US-Konsum, vermische es mit Beständen an US-Immobilien und siedele die Aktie mit vollem Währungsrisiko für deutsche Anleger im Dollar-Raum an. Ein umkämpfter und weitgehend saturierter Markt, stagnierende Umsätze und ein durch kreditfinanzierte Aktienrückkäufe aufgetürmter Schuldenberg runden das Papier des Grauens ab.

DÜSSELDORF. Der US-Einzelhändler Macy?s, bekannt durch sein Stammhaus in New York City, erfüllt problemlos alle Anforderungen an ein solches Horrorpapier. Und genau darin liegt eine Chance für antizyklische Investoren. Binnen der letzten sechs Monate hobelte die Börse bereits glatt 40 Prozent vom Aktienkurs ab.

Der Sturz weckt Begehrlichkeiten, wie eine Auswertung der US-Internetseite "Gurufocus" zeigt: Der Datenanbieter verfolgt die Aktientransaktionen der erfolgreichsten Fonds der letzten Jahre. Unter Beobachtung stehen die Investmentvehikel von insgesamt 35 Gurus wie Warren Buffett oder George Soros. Nach der Ermittlung der Experten haben dabei in den vergangenen Monaten nicht weniger als neun Gurus Aktien von Macy?s zugekauft. Sehr aktiv auf der Käuferseite war demnach jüngst auch der als aggressiver Firmenkäufer bekannte Großinvestor Carl Icahn.

Gründe für den Kursrutsch der Macy?s-Aktie von 46 US-Dollar im Mai auf zuletzt 28 Dollar sind schnell gefunden: Seit Jahren stagnieren die Umsätze in den rund 850 Läden von Macy?s. Wachstumsbeiträge liefern allein riskante Übernahmen und Neueröffnungen. Wie viele andere Unternehmen auch stellte Macy?s Aktionäre mit riesigen Aktienrückkaufprogrammen ruhig, die im Falle von Macy?s mit Einnahmen aus Unternehmensverkäufen und vor allem mit Schulden finanziert wurden. Das stabilisierte den Kurs, ließ die Gewinne je Aktie klettern und das Kurs-Gewinn-Verhältnis sinken.

Allein in den ersten neun Monaten 2007 kaufte der Konzern Aktien im Wert von drei Mrd. Dollar zurück - bei einem Börsenwert von derzeit noch zwölf Mrd. und Schulden von nunmehr zehn Mrd. Dollar. Von solchen Maßnahmen wollen Investoren seit Beginn der Kreditkrise nichts mehr wissen: Eine saubere Bilanz und gutes Rating sind wichtiger als Aktienrückkäufe auf Pump. Die Nachricht kam an: Macy?s kündigte an, das Tempo der genehmigten Rückkäufe über eine weitere Milliarde Dollar zu drosseln.

Ein Problem ist das nicht für Aktionäre, solange sie nicht an den totalen Zusammenbruch des Konsums und des Immobilienmarkts in den USA glauben. Der Buchwert von Macy?s deckt vor allem durch Immobilienbesitz drei Viertel des Aktienkurses ab. Die Bewertung ist mit dem Zwölffachen der laufenden Gewinne moderat. Vor allem der stabile Cash-Flow von zwei Mrd. Dollar aus Umsätzen von rund 27 Mrd. Dollar pro Jahr macht den Konzern auch immer wieder zum Gegenstand von Übernahmegerüchten.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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