Bulle & Bär
Paragon - und der lange Weg zur Normalität

Mit der Finanzkrise rutschte der Delbrücker Autozulieferer Paragon in die Insolvenz. Doch die ist mittlerweile erfolgreich überstanden - und die Aktie befindet sich seit einem Jahr im Höhenflug.
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FrankfurtDie Frage hat das Potenzial für die eine Million Euro bei Günther Jauch: „Wer war das letzte Unternehmen, das im Jahr 2000 den Börsengang an den Neuen Markt schaffte?“ Auch ausgewiesene Börsenkenner mit Langzeitgedächtnis dürften da ins Grübeln kommen. Kurz zur Erläuterung: Der Neue Markt war ein Börsensegment, das in der Phase um die Jahrtausendwende Börsenneulinge aus dem Technologiesektor und Investoren gleichermaßen anzog, was anfangs zu völlig überbordenden Aktienkursen führte und anschließend zu einem ebenso rasanten Absturz.

Als letztes Unternehmen schaffte der Delbrücker Autozulieferer Paragon sein Debüt. Der produzierte zwar ebenso wie die rund 350 anderen Unternehmen dort auch Technologie, nur standen dahinter reale Produkte und keine puren Ideen wie bei den vielen anderen dort aus der Internet- und Softwarebranche. Wohl deswegen ging die Emission bei den Investoren noch durch.

Nun sind viele vom einst ruhmreichen Neuen Markt pleite, übernommen oder machen unter gleichem Namen etwas völlig anderes. An der Börse kümmert sich schon lange niemand mehr um sie. Nur Paragon fällt in diesen Zeiten wieder auf, weil die Aktie seit einem Jahr derart in die Höhe geschossen ist, dass sich viele noch immer in den Zeiten des Neuen Marktes wähnen.

Der Grund dafür ist schnell erzählt. Morgen vor einem Jahr kam das Unternehmen aus der Insolvenz heraus, nahezu völlig altlastenfrei und mit der gleichen Aktionärsstruktur wie zuvor. Reingeraten war es wie so viele während der Finanzkrise, die anschließend zu einer realen Wirtschaftskrise wurde. Als die großen Abnehmer nichts mehr abnahmen, war das finanzielle Polster schnell aufgebraucht.

Der Kurs, der in den ersten Monaten nach überstandener Insolvenz geradezu explodiert ist, hat sich mittlerweile wieder beruhigt, so dass auch wieder fundamentale Dinge in die Bewertung mit einfließen können. Die sind natürlich von der nach wie vor extrem guten Nachfrage in der Automobilindustrie geprägt. Aber nicht nur: Um als kleiner Nischenanbieter in der Branche bestehen zu können, braucht es Produkte, von denen sie bislang noch gar nicht gewusst hat, dass sie sie braucht.

Zum Beispiel eine Freisprechanlage, die nicht wie üblich in der Nähe des Autoradios sitzt und deswegen am anderen Ende der Leitung vor allem Rauschen ankommen lässt, sondern in den Sicherheitsgurt integrierte Mikrofone. Kurzum: Dinge, von denen man sich fragt, warum sie noch keiner erfunden hat. Paragon ist ein Jahr nach der überstandenen Insolvenz wieder auf dem Weg, eine „normale“ Aktie zu werden.

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