Bulle & Bär
Personaldienstleister: Die Headhunter AG

Glatt eine halbe Million Fundstellen spuckt die Suchmaschine Google für den Begriff des Fachkräftemangels aus, und nicht weniger als 800-mal tauchte der Begriff in den vergangenen vier Wochen in deutschen Medien auf. Arbeitnehmer wechseln immer häufiger die Jobs, und überhaupt gilt qualifiziertes Personal als Wettbewerbsfaktor schlechthin.

DÜSSELDORF. Gute Zeiten also für Headhunter und Zeitarbeitsfirmen, könnte man annehmen. Ein Blick auf die Kursentwicklung der börsennotierten Headhunter ergibt allerdings ein anderes Bild. Glatt 50 Prozent verlor die schweizerische Adecco als weltgrößter Personaldienstleister binnen eines Jahres. Von Michael Page International hobelte der Markt im gleichen Zeitraum 55 Prozent ab, von der britischen Hays 60 Prozent, von der niederländischen Randstad Holding 70 Prozent und von dem US-Onlineportal Monster Worldwide gar 80 Prozent.

All diese Unternehmen sind hochprofitabel. Doch kaum eine Branche ist derart zyklisch wie die der Personaldienstleister. Genau darin liegt eine Chance für geduldige Investoren, denn in den Kursen ist im Gegensatz zu vielen anderen Branchen längst eine Rezession in den Industrieländern und ein Einbruch der Geschäfte eingepreist. Dabei spielt nicht nur der Umstand eine Rolle, dass das Geschäft mit der Finanzindustrie quasi tot ist. Noch vor zwei Wochen mutmaßten die Analysten der Deutschen Bank gar, der Umsatzrückgang der Personaldienstleister dürfte aufgrund der konjunkturellen Risiken noch stärker ausfallen als 2001 bis 2003. Goldman Sachs diagnostizierte im Juni, die Kursentwicklung der Personaldienstleister reflektiere nicht nur einen zyklischen Einbruch von Umsätzen und Gewinnen, sondern vielmehr eine tiefe Skepsis gegenüber dem langfristigen Wachstum.

Das ist der Stoff, aus dem nicht nur Kursverluste von 50 Prozent und mehr, sondern auch antizyklische Investmentgelegenheiten sind. Ein klares Signal setzte Adecco am Dienstag. Das Unternehmen will Michael Page International übernehmen und löste damit einen Kurssprung von 35 Prozent aus.

Wer an die langfristigen Chancen der börsennotierten Personaldienstleister glaubt, findet derzeit ein gutes Anlageumfeld vor: Die Börse hat über die herben Kursverluste bereits einen scharfen Gewinneinbruch eingepreist. Der Marktführer Adecco weist derzeit auf Basis der für 2009 erwarteten Gewinne ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von neun auf. Einen Blick für spekulative Naturen wert ist auch der auf Online-Jobbörse spezialisierte US-Konzern Monster Worldwide. Der Nasdaq-Titel wird derzeit mit dem 14-Fachen der für 2008 erwarteten Gewinne gehandelt. Analysten rechnen indes auch mit einem jährlichen Gewinnwachstum in den kommenden fünf Jahren von 20 Prozent pro Jahr. Mit einer Nettoliquidität von knapp 300 Mill. Euro bei einem Börsenwert von 1,5 Mrd. Euro hat Monster zudem genügend Spielraum, auch eine schärfere Rezession zu überstehen.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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