Bulle und Bär
Petrobras: Tupi or not Tupi

Um einen falschen Eindruck von vorneherein zu zerstreuen: Es ist ja nicht so, dass die Brasilianer letzte Woche beim Probebohren vor der Küste zufällig auf Öl gestoßen sind, dann beim Präsidenten angerufen haben, der daraufhin freudig der Welt verkünden konnte, dass Brasilien nun in die Opec eintreten wolle.

Um einen falschen Eindruck von vorneherein zu zerstreuen: Es ist ja nicht so, dass die Brasilianer letzte Woche beim Probebohren vor der Küste zufällig auf Öl gestoßen sind, dann beim Präsidenten angerufen haben, der daraufhin freudig der Welt verkünden konnte, dass Brasilien nun in die Opec eintreten wolle. Der Zeitpunkt, um das Ölvorkommen "Tupi" vor der Küste Brasiliens öffentlich zu machen, war genau gewählt. Denn dass dort ein gewaltiges Ölfeld liegt, ist schon seit Mitte 2006 in der Branche bekannt. Das haben die Testbohrungen der letzten Monate nur bestätigt und präzisiert.

Auslöser für die jetzige Verkündung gab es vier - und alle werfen sie ein bezeichnendes Licht auf die wichtigste lateinamerikanische Aktie Petrobas. Erstens: Die Regierung wollte davon ablenken, dass Brasiliens Wirtschaft vor ernsten Versorgungsengpässen beim Gas steht. Zweitens: Der Eindruck der enttäuschenden Quartalsergebnisse bei Petrobras (Gewinnrückgang von 22% gegenüber dem Vorjahreszeitraum) sollte gemildert werden. Drittens: Die Regierung brauchte ein Argument, damit sie für die in zehn Tagen geplante Bieterrunde für Öllizenzen noch schnell 41 Ölfelder aus dem Rennen nehmen, gleichzeitig die Preise für neue Konzessionen deutlich erhöhen und die Förderbedingungen verschärfen kann. Und viertens: Petrobras hat zur Verkündung des Ölfunds gedrängt. Denn Präsident Lula hatte vor zwei Wochen bei einer Auslandsreise den mitreisenden Gouverneuren schon davon erzählt - worauf die Börsenaufsicht jetzt die undankbare Aufgabe hat, zwei Dutzend hochrangige Politiker wegen Insiderverdachts checken zu müssen.

Die Einzelheiten sind wichtig. Denn sie zeigen nicht nur, wie stark die Petrobras, von der 44 Prozent ihres Kapitals an der Börse gehandelt werden, in den Fängen des brasilianischen Staates steckt. Die Vorgänge der letzten Tagen zeigen auch, dass die Kontrolle durch die Regierung noch weiter wachsen wird.

Der Kampfruf "O petrólio é nosso!" ("Das Öl gehört uns!") aus den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts als Petrobras gegründet wurde, dominiert heute wieder die Stimmung in Brasília. Dabei ist es erst zehn Jahre her, dass die Petrobras teilprivatisiert wurde und das Management den Konzern wie einen normalen Ölkonzern zu führen begann.

Was heute ebenfalls wieder ganz offen kommuniziert wird von Petrobas-Managern: Der Konzern duldet keinen in- oder ausländischen Wettbewerber neben sich - und wird weiterhin alles daransetzen, der Konkurrenz das Leben schwer zu machen. Das ist bedauerlich, denn Brasilien wird so viel länger brauchen, um sein Ölpotenzial zu erreichen, weil das mit eigenem Kapital und Technologie einfach alles länger dauert.

Das Paradoxe: Die Petrobras-Aktie ist dennoch für Investoren attraktiv - gerade wegen der zunehmenden staatlichen Kontrolle. Denn die sichert dem Konzern die lukrativsten Energiequellen und einen Monopolmarkt für seine Produkte. Das Risiko, dass der Staat die Stellung der Aktionäre schwächen wird, scheint da derzeit tragbar.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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