Bulle & Bär
Piaggio: Ein Herz für Roller

Sie ist der Italien-Klassiker schlechthin: In den 50er-Jahren fuhr sie Audrey Hepburn mit Gregory Peck in dem Film "Ein Herz und eine Krone", in den 80er-Jahren rollten die Popper mit ihr über Deutschlands Straßen und im heutigen Verkehrschaos von Mailand ist sie als wendige Alternative zum Auto nicht wegzudenken: die Vespa.

MAILAND. Seit dem Sommer des vergangenen Jahres ist der Vespa-Hersteller - die italienische Piaggio & C SpA - an der Börse notiert. Nach zuletzt kräftigen Kursverlusten lohnt es, sich die Aktie genauer anzuschauen. Mit einem Kurs-Gewinnverhältnis (KGV) von rund 17 ist Piaggio zwar immer noch kein Schnäppchen. Allerdings sprechen die erwarteten zweistelligen Zuwachsraten für die Aktie.

Piaggio setzt außerhalb von Europa vor allem auf Asien und damit auf eine Region, die von einer möglichen Rezession in den USA nur am Rande betroffen wäre. In Indien, wo Piaggio selbst produziert, läuft vor allem das Geschäft mit den dreirädrigen "Ape" gut. Mit diesen Minitransport-Fahrzeugen kommt das italienische Unternehmen dort auf einen Marktanteil von einem Drittel bei Dreirädern.

In Vietnam investiert das Unternehmen derzeit 30 Mill. Dollar, um bis zu 100 000 Vespas jährlich für den gesamten südasiatischen Markt zu produzieren. Und auch in China sind die Italiener mit einem Joint Venture (45 Prozent ) präsent. Damit ist Piaggio in den wichtigsten Wachstumsmärkten Asiens vertreten. Dank der Produktion vor Ort reduziert sich das Währungsrisiko.

Allgemein spricht für Piaggio die generell starke Nachfrage in den Schwellenländern nach italienischem Design. Fast alle Mode- und Luxusunternehmen Italiens profitieren derzeit von der wachsenden Mittelklasse und der Reichen in diesen Ländern, für die italienische Produkte Statussymbole sind. Das einmalige Design der Vespa mit ihrem breiten Hinterteil ist wohl eines der bekanntesten Symbole für Design made in Italy.

Hinzu kommt der weltweite Retrotrend. Ob Autos, Mode oder Design: Wiederbelebte historische Marken stehen hoch im Kurs. Ein Trend, von dem Piaggio profitieren sollte. Außer der Vespa kann dies auch der Marke Moto Guzzi zugute kommen, die seit drei Jahren ebenfalls zum Piaggio-Imperium gehört.

Seit der italienische Industrielle und Investor Roberto Colaninno das Unternehmen vor fünf Jahren übernommen hat, hat Piaggio seine Produktpalette deutlich erweitert. Nach Moto Guzzi hat Piaggio erst vor zwei Jahren den fast bankrotten Motorradhersteller Aprilia übernommen, um neben dem Geschäft mit den Rollern auch das mit Motorrädern auszubauen.

Das größte Risiko für Piaggio wäre ein Abgang des Investors. Die Person Roberto Colaninno, der mehr als die Hälfte der Aktien hält, war in diesen Jahren entscheidend für den Erfolg des Unternehmens. Bisher gibt es jedoch keine Anzeichen, dass er schon die Lust verloren hätte.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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