Bulle & Bär
Plädoyer für Purismus

Viele Anleger reiben sich in diesen turbulenten Tagen beim Blick auf das eigene Depot verwundert die Augen. Denn dass die Korrektur an den Märkten kaum eine Aktie verschont hat, ist angesichts der Kursgewinne in der Breite seit mehr als vier Jahren noch verständlich.

HB DÜSSELDORF. Irritierender ist das komplexe Eigenleben von Depotbausteinen, die eigentlich für sichere Zinserträge und Stabilität auch in unruhigen Börsenzeiten sorgen sollten.

Mal verliert ein eigentlich als bombensicher geltender Geldmarktfonds wie der Axa Trésoriere 3,5 Prozent binnen eines Monats. Dieser Fonds hatte in Anleihen investiert, die mit Hypotheken zweitrangiger privater US-Schuldner (Subprime-Kunden) gedeckt waren. Union Investment hat einen entsprechenden Fonds geschlossen. Manche der vielfach als Alternative zu Geldmarktprodukten vertriebenen Fonds für forderungsbesicherten Anleihen (Asset Backed Securities) verloren binnen weniger Wochen bis zu fünf Prozent. Das ist mehr, als Anleger für ein Jahr an Rendite erwarten. Auch für manche vermeintlich solide Euro-Anleihenfonds brachte der Monat Juli ein Minus von bis zu vier Prozent, obwohl das zuletzt wieder sinkende Renditeniveau die Kurse von Anleihen und Anleihenfonds eigentlich hätte beflügeln sollen.

Der Grund für das sonderbare Kursverhalten mancher Produkte ist alles andere als komplex. Die Gesellschaften haben in den vergangenen Jahren im Kampf um die Zuflüsse der Anleger viele ihrer Fonds für festverzinsliche Wertpapiere riskanter ausgestaltet oder entsprechende Produkte ganz neu aufgelegt. Oft mischte ein Anleihenfonds zu geringen Teilen Aktien bei, mal dient die Beimischung von Ramsch- oder Fremdwährungsanleihen der Renditesteigerung. der Rendite.Angesichts der lange sehr niedrigen Zinsen und der zeitweise völlig aus den Fugen geratenen Risikowahrnehmung der Marktteilnehmer ging das jahrelang gut. Denn die einfache Faustregel war: Je höher das Risiko, desto höher die Rendite und desto höher auch die Platzierung in einschlägigen Fondsranglisten, die vielen Anlegern als Orientierung bei der Fondsauswahldienen.

Für Anleger hat dies angesichts der Rückkehr des Risikos an den Märkten zwei Konsequenzen: Erstens sollten sie noch kritischer hinterfragen, wie die gute Kursentwicklung eines Anleihenprodukts in der Vergangenheit zustande kam. Der kräftige und seit Jahren ungeseheneAusschlag der Risikoprämien an den Kapitalmärkten der letzten Wochen ist dabei ein sehr guter Test, ob die Risikokontrollen funktioniert haben. Zweitens sollten Anleger auch die bereits im Depot befindlichen Produkte einer Prüfung unterziehen, wie krisenfest der Fonds ist, falls die jüngste Korrektur nur der Beginn einer längeren Abwärtsbewegung ist. Spätestens dann dürfte auch wieder die Stunde der Puristen unter den Anleihenfondsmanagern schlagen, die ihre Renditen aus der richtigen Einschätzung der Zinsentwicklung und nicht der möglichst kreativen Mixtur von Anlageklassen innerhalb eines Anleihenfonds schöpfen.

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