Bulle & Bär
Plagiat mit Tücken

Bundesschatzbriefe sind bein Anlegern beliebt, die auf Sicherheit setzen. Vom guten Ruf der Bundespapiere wollen auch Unternehmen der Finanzbranche profitieren und nutzen den nicht geschützten Begriff "Schatzbrief" für eigene Produkte. Den Standard des Originals erreichen sie selten.

FRANKFURT. Seit fast 40 Jahren setzen private Anleger, für die Sicherheit bei der Geldanlage im Vordergrund steht, auf Bundesschatzbriefe. Rund zehn Mrd. Euro haben Bundesbürger in die Papiere investiert. Dabei ist der Begriff des Schatzbriefs nicht geschützt. Schon länger gibt es einen Schatzbrief der Allianz, der letztlich eine Rentenversicherung ist; daneben bieten vereinzelt Sparkassen Schatzbriefe an, die mit dem Original-Produkt ebenfalls wenig zu tun haben.

Die deutsche Tochter der US-Bank Morgan Stanley versucht es jetzt mit einem Plagiat, das sich deutlich enger an die Vorlage anlehnt, dessen Sicherheit aber nicht erreicht. Wie bei Bundesschatzbriefen gibt es auch beim neuen Morgan Stanley Schatzbrief einen Typ A und einen Typ B. Beim Typ A werden die Zinsen jährlich, beim Typ B erst am Ende der Laufzeit inklusive Zinseszinsen ausgezahlt. Beide Typen haben eine Laufzeit von sieben Jahren. Wie beim Vorbild Bundesschatzbriefe steigen bei den Morgan-Stanley-Papieren die Zinsen während der Laufzeit. Im ersten Jahr liegt die Verzinsung bei vier Prozent, in den Folgejahren steigt sie jeweils um 0,25 Prozentpunkte auf bis zu 5,5 Prozent.

Im siebten Jahr haben die Anleger - anders als beim Vorbild - die Option auf einen Extrazins von einem Prozent. Den gibt es dann, wenn der einjährige Interbankensatz (Euribor-Swapsatz) auf mindestens fünf Prozent steigt. Wie wahrscheinlich das ist, lässt sich indes kaum sagen. Zwar bietet der Morgan Stanley Schatzbrief auch ohne Extra-Zins höhere Kupons und Renditen als die Bundesschatzbriefe, bei denen Typ A eine Laufzeit von sechs und Typ B eine Laufzeit von sieben Jahren hat. So kommen die Morgan Stanley Schatzbriefe ohne Sonderausschüttung im siebten Jahr auf Renditen von 4,70 (Typ A) und 4,75 Prozent (Typ B) pro Jahr. Bei den Bundesschatzbriefen liegen die jährlichen Renditen derzeit nur bei 3,95 und glatt vier Prozent. Doch der Bund legt regelmäßig neue Bundesschatzbriefe auf, die sich am jeweiligen Marktniveau orientieren, Anleger haben also bei Bundesschatzbriefen die Chance auf attraktivere Konditionen.

Zudem haben die Bundeswertpapiere von den Ratingagenturen die Top-Bonitätsnote Dreifach-A. Das Rating der Morgan Stanley Bank AG liegt bei Standard & Poor?s mit "AA" zwei Stufen darunter. Moody?s und Fitch bewerten die Bonität noch eine Stufe schlechter - dies unterschlägt die Werbebroschüre von Morgan Stanley.

Hinzu kommt das Kursrisiko für Anleger, die die Morgan Stanley Schatzbriefe vor Ablauf der Fälligkeit über die Börse verkaufen. Bundesschatzbriefe können sich Anleger dagegen in bestimmten Umfang nach einem Jahr vorzeitig zum Nennwert von 100 Prozent zuzüglich anteiliger Zinsen auszahlen lassen. Außerdem zahlen Anleger für Kauf, Verkauf und Verwahrung der Bundesschatzbriefe keine Gebühren, wenn sie ein Schuldbuchkonto bei der Finanzagentur des Bundes eröffnen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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