Bulle & Bär
Pleite-Aktien: Club der Verlierer

Manchmal hat man den Eindruck, einige in der Finanzbranche haben den Schuss noch nicht gehört. Sie haben noch nicht gemerkt, dass ihre schöne neue Welt der strukturierten Investmentvehikel mit komplexen Produkten auf ach so großartige Anlageideen spätestens mit dem Kollaps von Lehman Brothers und dem wertlosen Verfall vieler dieser Produkte untergegangen ist.

NEW YORK. Dieser Eindruck beschleicht einen jedenfalls beim Lesen der Werbung für Optionen auf den sogenannten „Nasdaq Government Relief Index“. Ein Börsenbarometer, mit dem man auf die Erholung der von der US-Regierung mit Staatsmitteln geretteten Konzerne wetten können soll. Spötter reden schlicht vom „Verlierer-Index“. Das am 5. Januar aufgelegte Börsenbarometer zeichnet nämlich die Kursentwicklung von derzeit 24 US-Firmen nach, die Geld aus dem 700 Mrd. Dollar schweren Staatsrettungsfonds TARP bekommen haben. Darunter befinden sich so illustre Namen wie der Versicherer AIG, der trotz einer 150-Mrd.-Dollar-Steuergeldinjektion nicht stabilisiert ist und der Autohersteller General Motors, über dem immer noch der Pleitegeier kreist. Qualifikationsmerkmal für die zweifelhafte Ehre der Mitgliedschaft in diesem Index: Es muss einem Unternehmen so schlecht gehen, dass es mindestens eine Mrd. Dollar an Rettungsgeldern kassiert hat.

Bei dieser Negativauslese ist es kein Wunder, dass der Index seit seiner Auflage 36 Prozent an Wert verloren hat. Kein Wunder auch, dass sich bislang noch keine Bank getraut hat, einen Zertifikat oder ähnliches auf diese Gruppe von Firmen zu begeben. Das Beste an dem Verliererindex ist vermutlich, dass man mit den bislang eingeführten Optionen auf den kollektiven Zusammenbruch der Firmen wetten kann.

Mit anderen Worten: Jetzt ist nicht die Zeit für groß angelegte Wetten auf die Erholung der US-Banken und Autohersteller. Sicher ist zwar, dass Präsident Barack Obama alles tun wird, damit das Finanzsystem überlebt. Auch wird er dafür sorgen, dass auch in Zukunft Autos in „God's own country“ hergestellt werden. Aber ob und in welchem Umfang das aktuelle Aktienkapital und die Anleihen dieser Firmen die nächste Rettungsaktion überleben werden, steht völlig in den Sternen.

Und selbst wer das Glück hat, etwa in eine Bank zu investieren, deren Aktienkapital überlebt, fährt danach nicht unbedingt sofort massive Kursgewinne ein. Denn die Margen der Banken werden auf lange Sicht nicht mehr die Höhen der Boomjahre erreichen. In einer ähnlichen Situation, nach der Rettung des US-Finanzsystems Anfang der 30er-Jahre, dauerte es bis 1951 bis der damals viel beachtete New Yorker Bankenindex wieder nach oben ausschlug. In der Zwischenzeit machten Investoren lähmend lange 20 Jahre praktisch keine Kursgewinne. Fazit: Wer in diesem Augenblick breit in diese Aktien investiert, kann das Geld eigentlich genauso gut ins Kasino tragen. Die Aussichten sind dort auch nicht schlechter und man weiß sofort, ob sich der Einsatz gelohnt hat oder nicht.

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