Bulle & Bär
Porsche und VW: Das Endspiel beginnt

Sie läuft und läuft und läuft. Angetrieben von Großaktionär Porsche und Spekulationen auf eine Erhöhung seines Pakets von derzeit mindestens 31 Prozent hat die VW-Aktie längst die Marke von 180 Euro geknackt. Ein gewaltiger Sprung, zu Jahresbeginn notierte VW bei gut 80 Euro.

DÜSSELDORF. Mit einem angenommenen Kurs-Gewinnverhältnis von gut 15 für 2008 liegt VW den Analysteneinschätzungen nach zwar deutlich über dem erwarteten europäischen Branchendurchschnitt von rund zehn. Doch denen fehlt der Turbomotor Porsche. Die Stuttgarter haben die Absicht, unbeschränkter Herr im Wolfsburger Autoreich zu werden. 50,1 Prozent hat sich Porsches findiger Finanzchef Holger Härter über Optionen offenbar längst gesichert. Um das Optimum aus Volkswagen herauszuholen, benötigt er aber 75 Prozent der Stämme. Dann kommt er an das Cash der Wolfsburger. Das lohnt sich: Der Cash-Flow dürfte angesichts der Restrukturierung in den nächsten Jahren kräftig steigen. Im vergangenen Jahr lag er bei knapp zwölf Milliarden Euro.

Davon profitieren auch die Anleger: Die Nachfrage von Porsche würde die Aktie in Höhen jenseits der 200 Euro katapultieren. Schon jetzt diskutieren Analysten sogar ein weiter gehendes Szenario: Porsche könnte versuchen, alle Stämme einzukassieren. Am Ende würden dann nur noch Volkswagens Vorzugsaktien an der Börse gehandelt. Wem das Muster bekannt vorkommt, der liegt richtig: Genau nach diesem Modell ist die Dr. h.c. Ing. F. Porsche AG aufgebaut. Wie heißt es offiziell bei Porsche? "Die Stammaktien werden von Mitgliedern der Familien Porsche und Piëch gehalten." Wer das für unrealistisch hält, frage sich, ob er das, was bisher geschah, selbst nach dem Porsche-Einstieg vor zwei Jahren für plausibel gehalten hätte. Da hieß es in Stuttgart noch, man strebe sicher nicht die Mehrheit an.

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking weiß es stets besser. Für ihn war der Coup ein "Schachspiel", das alle irritierte, "die unsere vorgedachten Züge nicht kannten". Angelsächsische Investoren wie Brandes Investment Partners haben Schlüsse aus der erwarteten Porsche-Dominanz gezogen und ihre Anteile deutlich reduziert.

Den nächsten Zug werden wir wohl erst nach dem 27. Januar kennen. Dann wird im VW-Land Niedersachsen gewählt. Schwer vorstellbar, dass Wiedeking dem CDU-Ministerpräsidenten Christian Wulff während des Wahlkampfes in die Parade fährt.

Jenseits des Sonderfaktors Porsche bleibt eins festzuhalten: VW baut weiter Autos - und das mit wachsendem Erfolg. Ende kommender Woche debattiert der Aufsichtsrat über die "Strategie 2018", mit der Vorstandschef Martin Winterkorn Toyota einholen will. Gelingt der Durchbruch in den USA, der im derzeitigen Kurs noch nicht eingepreist ist, läuft die Erfolgsgeschichte der vergangenen Monate weiter und weiter.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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