Bulle & Bär
Post erschüttert Vertrauen der Analysten

Es brennt bei der Deutschen Post, und niemand sieht es. Zu dieser Einschätzung muss man nach einem Blick auf die jüngsten Analystenurteile infolge einer wohl eher verkorksten Investorenkonferenz in New York kommen. Denn obwohl DHL-Chef John Mullen neue Serviceprobleme in den USA einräumte, bekümmert das die Analysten wenig. Sie lassen ihre Empfehlungen zumeist unverändert. Per-Ola Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz sieht keine fundamentalen Auswirkungen auf den Konzern.

HB DÜSSELDORF. An der Börse gab der Kurs der Post-Aktie dagegen deutlich nach. Denn es stellt sich immer lauter die Frage, ob sich Post-Chef Klaus Zumwinkel mit seiner weltweiten Einkaufstour übernommen hat und die Integration unter dem Dach der DHL tatsächlich ein kalkulierbarer Prozess ist, wie sich etwa Nils Machemehl von M. M. Warburg fragt. Denn nicht nur in den USA hakt es. Auch in Europa kommt Zumwinkel zäher voran als geplant. Dabei steht mit dem britischen Logistiker Exel, der größten Übernahme in der Geschichte der Post, die größte Integrations-Aufgabe noch bevor.

Nach einer Gewinnwarnung, die Ende 2004 sogar zum Sturz eines Post-Vorstands geführt hatte, muss Mullen jetzt neue Probleme in den USA eingestehen. Die Zusammenlegung der zwei großen Luftdrehkreuze hatte zu erheblichen Verspätungen bei der Zustellung gesorgt. Zahlreiche Kunden wechselten zu den Konkurrenten UPS und Fedex. Der offenbar zu hastig durchgeführte Umzug hat DHL 280 Mill. US-Dollar Umsatz gekostet. Schlimmer noch: Das Vertrauen der Kunden ist erschüttert und muss mühsam wieder zurückgewonnen werden. Dafür will DHL Rabatte zahlen und das belastet das Ergebnis erneut.

Kein Wunder, dass Mullen die Ergebnisprognose für das US- Geschäft nicht bestätigen wollte. Nur soviel: Die finanziellen Auswirkungen seien nicht groß genug, um langfristige Abweichungen von den finanziellen Zielen zu verursachen. Die Umsatzeinbuße entspricht fünf Prozent des US-Umsatzes. Die Belastung für das Konzernergebnis (Ebit) wird auf bis zu 25 Mill. Euro geschätzt. Bislang plante DHL Ende 2006 in den USA mit schwarzen Zahlen.

Zwar bemüht sich DHL, den Schaden klein zu reden. Doch die Integration der über 100 Zukäufe konzernweit bereitet Kopfzerbrechen. Denn auch in Europa ist viel Sand im Getriebe. Wegen der vielen unterschiedlichen Kulturen, die unter einen Hut zu bringen sind, gilt die Integration hier als besonders anspruchsvoll. „Die Integration könnte in einigen Ländern besser gehen“, hatte Zumwinkel eingeräumt. In Frankreich hat sie mehr Zeit gebraucht und mehr Geld gekostet als geplant. In Großbritannien wurde das Management ausgetauscht, um mehr „Drive“ zu bekommen.

Die Analysten wären jedenfalls gut beraten, ein Auge auf die Integration zu werfen – auch wenn die Post laut Zumwinkel darin große Erfahrung besitzt. Schnell kann aus einem Busch- ein Flächenbrand werden.

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