Bulle & Bär
Preiswerte Aktien

Wer glaubt, die Aktienmärkte würden sich nach ihrem Tauchgang rasch wieder fangen, täuscht sich. Erholungen verpuffen so schnell, wie sie kommen. Die Gründe dafür leuchten ein.

DÜSSELDORF. Aktionären reicht nicht mehr das tolle Hier und Jetzt samt enormer Unternehmensgewinne. Sie blicken auf steigende Inflationsraten, höhere Zinsen und höhere Ölpreise. All das trübt den Blick für 2007. Doch die jüngsten Turbulenzen ändern nichts an der nackten, weil messbaren Tatsache, dass Aktien preiswert sind. Dies nährt Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Talfahrt.

Seit mehr als drei Jahren steigen die Kurse rasant. Gemessen vom Tief im März 2003 legte der Deutsche Aktienindex (Dax) 160 Prozent zu, ehe er in den vergangenen Wochen gerade mal zehn Prozent einbüßte. Der vorangegangene, lange Aufschwung stand und steht auf solidem Fundament. Schließlich halten die Firmengewinne mit dem rasanten Börsentempo Schritt. Konservativ gerechnet verdienen die Dax-Konzerne in diesem Jahr 160 Prozent mehr als noch vor drei Jahren. Und auch für 2007 gibt es bislang keine Anzeichen von Schwäche.

Dass Aktionäre dennoch innehalten, nervös werden und Aktien verkaufen, hat gute Gründe. Schließlich erhöht sich in Folge des rasanten Wirtschaftsaufschwungs die Inflation. Diese lässt die Zinsen weiter steigen. Amerikas neuer Notenbankchef Ben Bernanke stellte diesen Zusammenhang erst am Pfingstwochenende wieder unumwunden klar und schickte damit die Börsen erneut auf Talfahrt. Höhere Zinsen verteuern künftige Ausgaben, schmälern damit die Firmengewinne und machen zudem alternative Anlagen wie Anleihen attraktiver.

Hinzu kommen Rekord-Rohölpreise und Drohungen aus dem viertgrößten Förderland Iran, im Streit über das Atomprogramm die Lieferungen aus der Golfregion empfindlich stören zu können. Sollte sich in dieser Gemengelage tatsächlich die Konjunktur in der größten Volkswirtschaft USA abschwächen, sind die Kursrückgänge plötzlich trotz rasant steigender Firmengewinne gut zu erklären – und logisch nachzuvollziehen.

Und dennoch drohen kaum ähnliche Desaster an den Finanzmärkten wie nach der Jahrtausendwende. Damals büßte der Dax drei Viertel seines Wertes ein. Heute sind Aktien jedoch nicht über-, sondern unterbewertet. Die rasant steigenden Firmengewinne und die jüngsten Kursrückgänge machen deutsche Blue Chips fast 25 Prozent billiger, als es ihrem historischen Durchschnitt in den vergangenen 40 Jahren entspricht. Für Europa gilt dasselbe. Und selbst die jahrzehntelang zu teuren amerikanischen Aktien haben inzwischen Bewertungen erreicht, wie es sie zuletzt in den 80er-Jahren gab.

All das wird zwar auch künftige Kursschwankungen nicht verhindern. Doch aus preiswerten Aktien werden nicht über Nacht zu teure. Zumindest diese Gewissheit haben Börsianer.

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