Bulle & Bär
Premiere: Täglich grüßt Murdoch

Kommt er nun oder kommt er nicht? Seit Wochen und Monaten wird darüber spekuliert, dass der Medienunternehmer Rupert Murdoch den Bezahlsender Premiere kaufen könnte. Jede kleine Nachricht über eine bevorstehende Übernahme durch den Australier versetzt die Anleger in Aufruhr.

FRANKFURT. Am Donnerstag zum Beispiel kletterte die Premiere-Aktie zeitweise um mehr als sieben Prozent. Schuld daran war eine Personalie. An der Spitze des Unternehmens wird künftig ein neuer Chef stehen. Nach nur einem Jahr im Amt tritt Michael Börnicke ab. Nachfolger wird ein gewisser Mark Williams, der wiederum gilt als Vertrauter von Murdoch.

Ein Zeichen? Jetzt macht Murdoch ernst und wird den Laden bald übernehmen – das dachten sich wohl einige Anleger und stürzten sich gleich nach Börsenstart auf das Papier. Auch Analysten zeigten sich begeistert. Die Experten der Deutschen Bank empfahlen das Papier gleich zum Kauf, nachdem sie vorher noch skeptisch waren. Auch Unicredit und Dresdner Kleinwort hoben ihr Kursziel an. Schnell legte die Aktie am Donnerstag zu. Doch nach der ersten Euphorie bröckelten die Kursgewinne ebenso schnell wieder ab.

Wer sagt eigentlich, dass mit Murdoch alles besser wird? Niemand kennt die wahren Pläne des Mannes, den alle ehrfürchtig „Medienmogul“ nennen. Der Heilsbringer selbst hat sich noch gar nicht geäußert. Zwar zeigt der überraschende Wechsel an der Spitze, dass er Premiere kontrollieren will. Aber das kann er jetzt auch schon. Murdoch besitzt gut ein Viertel der Aktien und ist größter Aktionär. Mit Williams in der Führung hat er sein Regime noch gestärkt. Wozu sollte er sich also das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt komplett schnappen? Lieber wird Murdoch warten bis der Kurs noch etwas weiter gefallen und Premiere noch billiger ist.

Seit 2005 hat die Aktie schon zwei Drittel an Wert verloren, momentan deutet nichts auf einen Ausbruch nach oben hin. Seit längerem kommt der Kurs kaum über die Marke von 15 Euro hinaus. Nur wenn wieder mal über den Kauf durch Murdochs Medienkonzern News Corp spekuliert wird, zuckt der Kurs kurz nach oben.

Die Anleger hatten bisher wenig von den ständigen Übernahmegerüchten. Sie müssen sich langsam vorkommen wie der Hauptdarsteller in „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Dieser steckt in einer Zeitschleife fest. Er erwacht wieder und wieder am selben Tag, erlebt immer wieder dieselben Situationen. Ein Albtraum, aber zum Glück nur im Film.

In der Wirklichkeit sollten die Aktionäre nicht zu viel Hoffnung in die Ankunft des Messias setzen. Vielmehr wird entscheidend sein, ob der Sender seine operativen Probleme in den Griff bekommt: sinkende Abonnentenzahlen, Ärger mit Schwarzsehern und die Vergabe der Fußball-Bundesligarechte.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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