Bulle & Bär
Privatanleger als gefragte Investoren

Kleinanleger kommen bei neuen Unternehmensanleihen wieder ins Spiel. Immer mehr neue Bonds werden in Anteile von nur 1 000 Euro gestückelt. Das ist schon allein deshalb gut, weil so für Privatanleger die Auswahl steigt.

FRANKFURT. Kleinanleger können neue Bonds zwar nicht direkt bei der Emission kaufen, kommen aber zum Zug, wenn die Papiere an der Börse gehandelt oder von Banken, Sparkassen oder Online-Brokern angeboten werden.

Die Unternehmen wenden sich natürlich nicht aus Freundlichkeit an die Privatanleger, sondern entdecken sie erst im Zuge der Finanzkrise verstärkt wieder. Denn zum einen brechen ihnen Nachfrager wie Hedge-Fonds weg und zum anderen stabilisieren Privatanleger den Handel. Das liegt daran, dass sie Bonds meist bis zur Fälligkeit halten, während institutionelle Investoren Firmenbonds bei schlechten Nachrichten schnell verkaufen. Deshalb sind die Kurse von Anleihen in kleiner Stückelung oft höher und die Renditen entsprechend niedriger als die von den Anleihen, die ausschließlich für die Profi-Anleger mit Stückelungen von mindestens 50 000 Euro angeboten werden.

Das erkennen auch viele Firmen und machen sich deshalb zunehmend die Mühe, ihre Anleihen mit Emissionsprospekten für Kleinanleger auszustatten. Die müssen seit dem Jahr 2005 laut EU-Regeln ausführlicher sein, als die für Bonds, die sich nur an Großanleger richten.

Bei Privatanlegern sollten aber die Alarmglocken schrillen, wenn die Renditeunterschiede zwischen den Anleihen für die verschiedenen Zielgruppen besonders hoch sind, wie zum Beispiel bei Bonds der gebeutelten Autokonzerne Fiat und Renault. Deren Bonds in 50 000-er Stückelungen rentieren bei etwas längeren Laufzeiten doppelt so hoch wie die Bonds in 1 000-er-Stückelung. Die auffälligen Differenzen sind ein Zeichen dafür, dass es um die Bonität der Konzerne schlecht bestellt ist. Schließlich haben professionelle Investoren meist bessere Einblicke in die Unternehmen als Privatanleger und lassen sich die Ausfallrisiken deshalb besser bezahlen. Privatanleger sollten sich nicht mit niedrigen Renditen abspeisen lassen und die Bonds meiden.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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