Bulle & Bär: Privatanleger bleiben zu Recht vorsichtig

Bulle & Bär
Privatanleger bleiben zu Recht vorsichtig

Die Kurse steigen, und das seit drei Jahren. Da sollten Anleger endlich wieder risikofreudiger werden und anstelle regelmäßiger Dividenden mutigere Investitionen der Unternehmen honorieren. Denn so war es in der Vergangenheit immer: Je reifer der Börsenaufschwung, desto mehr verlagert sich das Gewicht von werthaltigen Aktien (Value) zu riskanteren Wachstumstiteln (Growth).

DÜSSELDORF. Doch so einfach ist es diesmal nicht. Zwar favorisieren einige Anleger Boombranchen wie etwa die Solarunternehmen. Und professionelle Investoren sowie die Firmen selbst setzen mehr und mehr auf Wachstumsstorys. Doch die meisten Privatanleger bleiben vorsichtig. Und das zu Recht.

Richtig ist, dass die großen europäischen und amerikanischen Unternehmen so viel wie noch nie verdienen. Dies rechtfertigt eigentlich risikofreudigere Investitionen. Doch richtig ist auch, dass die Gewinne globale Sorgen überdecken. Diese – und die Spätfolgen der langen Talfahrt – schrecken viele Anleger ab und lassen sie in sicheren Häfen verweilen.

Ob Vogelgrippe, Energiepreise oder der Streit um Karikaturen – die Probleme rechtfertigen diese Defensive. Beispiel Energie: Nach der Preisexplosion im vergangenen Jahr rechneten Analysten mit einer Abkühlung. Das käme Verbrauchern und Unternehmen zu Gute. Stattdessen halten der Konflikt um das iranische Atomprogramm und die Aufstände in Nigeria die Ölpreise oben.

Hinzu kommt, dass viele Anleger der immense Verlust aus der Talfahrt bis 2003 schmerzt. Wachstumstitel am einstigen Neuen Markt verloren durchschnittlich 98 Prozent an Wert. Selbst nachdem sich die Kurse mehr als verdoppelt haben, fehlen nach oben noch mehr als 1 000 Prozent, um die Höchstkurse wiederzusehen. Das erscheint unerreichbar.

Und weil gleichzeitig die Unternehmen im MDax – diese mittelgroßen, dividendenträchtigen Aktien waren einst als Mauerblümchen verschrien – täglich neue Hochs erreichen, ist Anlegern ihre Beharrlichkeit kaum zu verdenken. Sie trauen den Wachstumsstorys und Versprechungen samt hoher Investitionen nicht mehr.

Boomende Firmengewinne, geopolitische Risiken und außergewöhnliche Aktienerfahrungen Seite verleiten viele Anleger dazu, ihre Aktienstrategie nachhaltig risikoarm auszurichten. Das vermögen auch Statistiken nicht zu ändern, wonach in einer reifen Phase des Aufschwungs die entgegengesetzte Strategie erfolgreich ist – also Anlagen in investitionsträchtige Wachstumsfirmen.

Wer am Ende Recht behält, ist natürlich offen. Doch viel spricht dafür, dass der Normalanleger nicht völlig schief liegen wird. Denn einerseits sichern üppige und wieder angelegte Dividenden einen Großteil des Kurszuwachses. Andererseits sind dividendenstarke Aktien langfristig, und das in allen untersuchten Phasen, erfolgreicher als dividendenarme Titel.

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