Bulle & Bär
Prognosen: Warten auf Kanonendonner

Endlich eine gute Nachricht: Bis zum Jahresende können Anleger ihr Geld mit Aktien mehr als verdoppeln. Das wäre der Fall, wenn die optimistischen Prognosen der Banken vom Ende des vergangenen Jahres eintreffen würden. Weiter daneben konnten sie gar nicht liegen.

HB FRANKFURT. An hoffnungsfrohen Häusern war im Dezember kein Mangel - trotz der schon schwelenden Finanzkrise. Viele Adressen sahen den Dax bei mindestens 9 000 Punkten, seien es HSBC, Commerzbank, Dekabank, Postbank oder Pictet. Derzeit hält sich Deutschlands wichtigstes Aktienbarometer mühsam über der Marke von 4 000 Punkten.

So haben die Experten weit daneben gegriffen. Wieder einmal, mögen Kritiker anmerken. Das regelmäßige Versagen der Prognostikerzunft ist ein Running Gag unter Insidern und Thema vieler Börsenwitze. Ein Beispiel: Albert Einstein sucht eine neue Sekretärin. Er fragt die erste Bewerberin nach ihrem Intelligenz-Quotienten. Sie antwortet: 150. Prima, so Einstein, dann können wir gemeinsam Philosophen lesen. Die zweite kommt auf 100. Das reicht dem Genie für Theaterbesuche. Die dritte antwortet: 50. Einstein ist hocherfreut und fragt sie: Was machen die Börsen?

Manche Börsianer können sich angesichts der Dramen an den Märkten nur noch in Sarkasmus flüchten. Rund um den Globus laufen die Aktienkurse in einer Spirale nach unten. Wenn sich etwa der Dax weiter mit Tagesabschlägen von fünf Prozent nach unten winden würde, wäre er Mitte Dezember dreistellig - noch rechtzeitig vor Weihnachten. Für Optimismus gibt es angesichts der täglich neuen Hiobsbotschaften auch keinen Anlass. Und dabei beginnen sich die wirtschaftlichen Folgen der Krise erst langsam abzuzeichnen.

Börsianer kennen ähnliche Situationen. Sie haben dafür Weisheiten parat wie: Greife nie in ein fallendes Messer. Das heißt: Bei stürzenden Kursen sollte man nicht versuchen einem Wendepunkt nach oben mit Käufen vorzugreifen. Niedrig bewertete Titel können noch billiger werden, auch wenn es rational schwer erklärbar scheint. Die Gefahr ist: Ein Markt kann viel länger irrational bleiben als ein Investor solvent. Es ist gut möglich, dass auch Value-Investoren diese schmerzliche Erfahrung machen werden. Sie kaufen günstig bewertete Titel und haben schon vor Monaten gute Einstiegskurse gewittert. Zumindest aus heutiger Sicht haben sie zu früh geordert und lecken jetzt ihre Wunden.

Noch vor einem Jahr hätten Börsentage mit einem Dax-Einbruch von fünf Prozent als Mini-Crash gegolten. Heute haben sich die Akteure an höhere einstellige prozentuale Tagesschwankungen gewöhnt. Es ist durchaus denkbar, dass für einen echten Panikverkauf noch ein zweistelliger Sturz ins Haus steht. Das wäre dann möglicherweise ein Signal für eine Tendenzwende und der Start zumindest einer mittelfristigen Erholung. Auch dafür haben Börsianer einen passenden Spruch: Kaufen, wenn die Kanonen donnern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%