Bulle & Bär
Ran ans Tafelsilber!

Halten Sie noch Tafelsilber in Ihrem Depot? Gemeint sind Aktien, deren Kurs bislang einfach nur läuft und läuft. Und das nicht etwa, weil gierige Anleger wild spekulieren, sondern weil die entsprechenden Unternehmen richtig gute Geschäfte machen. In der aktuellen Baisse liegt nichts näher, als sich von solchen Gewinneraktien zu trennen. Begonnen hat der Ausverkauf aber noch nicht.

DÜSSELDORF. Linde ist solch eine Firma. Der Spezialist für Industriegase steigert kontinuierlich seine Erträge, und im Gleichklang läuft der Kurs nach oben. Das bedeutet: Trotz ständig neuer Rekordkurse wird die Aktie nicht teurer. Und das Tolle: In der aktuellen Talfahrt gibt die Notierung zwar ein klein wenig nach, aber die großen Stürme brausen an Linde vorbei. Bislang.

Die heile Welt könnte schnell zu Ende gehen. Dafür lohnt ein Blick auf Continental und Deutsche Börse. Beide beglückten ebenfalls lange Zeit ihre Anleger. Doch binnen Jahresfrist halbierten sich die Kurse. Conti gerät sogar ins Visier von Übernahmejägern, weshalb der Kurs jetzt wild ausschlägt. Das einst zwanzig Milliarden Euro teure Unternehmen ist nur noch die Hälfte wert.

Zwar laufen die Geschäfte der Deutschen Börse und des Reifenspezialisten immer noch. Dennoch versilbern Investoren ihre Gewinne. Ganz besonders die vielen ausländischen Anleger. Sie stecken obendrein satte Währungsgewinne ein. Immerhin legte der Euro in den vergangenen fünf Boomjahren fast 50 Prozent zu. Dollar-Anleger verbuchen das als zusätzlichen Profit. Was liegt da näher, als in der aktuellen Baisse, in der viele Investoren dringender denn je Cash benötigen, um ihre Finanzlöcher zu stopfen, sich von solchen Gewinneraktien wie Conti und der Deutschen Börse zu trennen.

Doch je tiefer die Talfahrt an den Finanzmärkten geht, desto mehr Tafelsilber müssen Investoren versilbern. Dafür sorgen schon allein die vielen automatisch gesteuerten Verkaufsprogramme. Sie setzen ein, sobald Kurslimits unterschritten werden oder beim Depotinhaber Schieflagen entstehen, weil er Aktien auf Pump gekauft hatte und nun „unter Wasser“ gerät. Lehrbeispiel dafür ist die Baisse von 2001/2002. In der Abwärtsspirale lösten Kursverluste immer neue aus.

Und hier kommt wieder Linde ins Spiel. Die Aktie verlor gemessen an ihrem Allzeithoch gerade mal zehn Prozent. Die Münchener profitieren eben ganz außerordentlich vom investitionsgetriebenen Aufschwung der Weltwirtschaft. Selbst höhere Rohstoffpreise lassen sich noch am Markt durchsetzen, so dass der Konzern seine ambitionierten Prognosen bislang nicht heruntersetzen muss.

Doch typisches Markenzeichen beinahe jeder Baisse ist, dass am Ende der Talfahrt auch all jene Aktien leiden, die es eigentlich gar nicht verdienen. Erst wenn solche Perlen Federn lassen, beginnt die letzte Etappe des Abschwungs. Sie zählt zu den schmerzhaftesten in jeder Baisse.

Umgekehrt formuliert: Solange Erfolgsaktien wie Linde dem Börsensturm trotzen, hat der Ausverkauf noch nicht begonnen.

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