Bulle & Bär
Reich werden? Nein danke!

Der eine scheffelt Millionen, der andere verzichtet darauf. Einfach so, aus Unkenntnis oder mangelndem Interesse. Kaum zu glauben. Dabei sind die „Geiz ist geil“-geprägten Verbraucher sonst ganz scharf darauf, beim Billigheimer um die Ecke bei Butter und Käse ein paar Cent zu sparen. Aber wenn Millionen und Milliarden auf dem Spiel stehen, versagen die Instinkte.

FRANKFURT. Worum es geht? Eine fulminante Aktienhausse startet ins fünfte Jahr, doch die Deutschen knabbern an den mickrigen Renditeprozenten, die ihnen auf Festgeldkonten gut geschrieben werden oder die Geldmarktfonds abwerfen. Der Jahresertrag aus diesen Mageranlagen ist so hoch wie die Tagesschwankung eines Aktiendepots. Der Punkt ist: Hätten die Deutschen vor vier Jahren ihre Festgeldbestände und Geldmarktfonds in internationale Aktien umgeschichtet, wären sie heute um 240 Milliarden Euro reicher.

Die Wirklichkeit ist härter: In den vergangenen Jahren haben sich die Haushalte sogar noch aus Aktien zurückgezogen. Soziologen müssten hier eine krasse Umverteilung von unten nach oben anprangern. Aber dafür hat die so genannte politische Führungselite kein Gespür, obwohl sie „soziales“ Engagement zum Kernbestandteil jeder Sonntagsrede macht.

Der Blick zurück ersetzt natürlich nicht die Schau nach vorn. Und der Aktienmarkt ist keine Einbahnstraße. Das ist eine Börsenweisheit. In der Sprüchesammlung steht aber auch: „The trend is your friend“, nutze den Trend. Und der Trend ist intakt, aller Probleme zum Trotz. Sei es der China-Boom, dass Derivate-Risiko oder die Inflationsgefahr. Die Weltwirtschaft boomt wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Rund um den Globus zirkuliert viel Geld, dass nach Anlagemöglichkeiten sucht und die Kurse weiter treiben kann.

Exzesse, die typischerweise das Ende einer Hausse einläuten, sucht man bisher vergeblich – von Ausnahmen wie den teuren chinesischen Inlandsaktien abgesehen. Und das private Publikum ist auch kaum beteiligt. Dessen Zockereien lieferten in der Vergangenheit verlässliche Hinweise auf das Endstadium eines Börsenbooms. So wie in der berühmten Tulpenzwiebelspekulation in den Niederlanden im 17. Jahrhundert. Kurz vor dem Kollaps kostete eine Zwiebel der seltenen Sorte „Vizekönig“ 24 Wagenladungen Korn, acht Mastschweine, vier Kühe, vier Fässer Bier, 1 000 Pfund Butter und einige Tonnen Käse.

Der letzte Exzess liegt sieben Jahre zurück. Private Gespräche kreisten damals nur noch um den billigsten Discount-Broker und den heißesten Tipp. Die Bild-Zeitung titelte in ihrer legendären Ausgabe am 22. Februar 2000: „Geldrausch! Frauen spekulieren mit dem Haushaltsgeld.“ Nur wenige Tage später platzte die Aktienblase. Davon sind wir heute meilenweit entfernt. Gesprächsstoff liefern nur die gesparten Cent bei Aldi & Co., nicht die verpassten Aktien-Milliarden.

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