Bulle und Bär
Rentenfonds mit Tücken

FRANKFURT. Mit schöner Regelmäßigkeit ärgert der Informationsdienst für Bundeswertpapiere (IBW) die Fondsbranche mit seinen Vergleichen. Seit nunmehr 13 Jahren erzielen Sparer, die jeden Monat Geld zurücklegen, laut IBW mit Bundesschatzbriefen einen höheren Ertrag als mit Euro-Rentenfonds.

Auch wenn sich Bundesschatzbriefe und Anleihen nicht direkt mit Fonds vergleichen lassen, trifft die Statistik einen wunden Punkt: Wer Geld sicher und kalkulierbar anlegen will, tut dies mit dem Direktkauf von Bundeswertpapieren meist erfolgreicher als mit dem Kauf von Rentenfonds.

Das gilt besonders in diesem Jahr. Denn unter dem Strich haben die meisten Fonds mit dem Schwerpunkt auf Staatsanleihen aus Europa nichts verdient. Das Analysehaus Feri Rating & Research ermittelt für 69 Rentenfonds derzeit ein Minus von im Schnitt 0,04 Prozent. Einige Fonds machten sogar Verluste von über einem Prozent.

Die schlechte Entwicklung liegt an den weltweit gestiegenen Kapitalmarktzinsen. Vor allem die Renditen von kurz laufenden Anleihen sind mit den Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) gestiegen, und steigende Renditen sind nun mal gleichbedeutend mit Kursverlusten bei Anleihen. Diese drücken die Rücknahmepreise der Fonds, die für Anleger entscheidend sind.

Deshalb geht bei Rentenfonds der eigentliche Charme der Festverzinslichen verloren. Anleger, die selbst Staatsanleihen kaufen, brauchen sich um Kursverluste nicht zu scheren, wenn sie die Papiere bis zur Fälligkeit halten. Denn dann gibt es das eingesetzte Kapital zu 100 Prozent zurück. Die beim Kauf einmal gesicherte Rendite ist mager, aber kalkulierbar. Fünfjährige Bundesobligationen zum Beispiel werfen aktuell knapp 3,7 Prozent Rendite pro Jahr ab. Viele Bundeswertpapiere bekommen Privatanleger außerdem ohne Gebühr bei der Finanzagentur des Bundes.

Bei Rentenfonds drücken dagegen die Kosten auf die Rendite. In den Wertentwicklungstabellen der Fondsbranche sind die gewichtigen Ausgabeaufschläge nicht enthalten. Sie liegen bei im Schnitt drei Prozent und müssen erst einmal verdient werden. Die Aufschläge müssen Anleger beim Kauf bezahlen. Sie werden auf den Rücknahmepreis, nach dem sich die Wertentwicklungstabellen der Fondsbranche berechnen, aufgeschlagen. Anleger sollten mit dem Bankberater oder der Vermittler über die Höhe des Aufschlags verhandeln. An der Börse und bei Direktbanken gibt es Fonds ohne Aufschlag, dafür sind die An- und Verkaufsspannen recht hoch. Dazu kommen noch die Managementgebühren von bis zu 1,5 Prozent. Auch sie zehren an der Rendite.

Mit Rentenfonds haben Anleger zwar theoretisch Chancen auf höhere Erträge als mit dem Direktkauf von Anleihen, praktisch zählt dieses Argument aber selten.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%