Bulle & Bär
Rentenmarkt gibt wieder Rätsel auf

US-Notenbankpräsident Ben Bernanke vermeidet es, von einem Rätsel an den Bondmärkten zu sprechen. Dabei hätte er Grund dazu. Die US-Notenbank Fed hält den Leitzins seit Dezember bei rekordniedrigen null bis 0,25 Prozent. Und was machen die Renditen der Staatsanleihen, die eigentlich zumindest im Groben der Richtung der Leitzinsen folgen sollten? Sie steigen, und das kräftig.

FRANKFURT. Seit Ende Dezember ist die Rendite zehnjähriger US-Bonds von rekordniedrigen zwei auf 3,85 Prozent in die Höhe geschnellt. Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Bondmarkt von den Leitzinsen abkoppelt. Das war auch schon zwischen Sommer 2004 und Sommer 2005 so. Damals hatte die Fed den Schlüsselzins stufenweise von einem auf 5,25 Prozent erhöht. Die zehnjährigen US-Renditen pendelten bis zum Frühjahr 2005 davon unbeeindruckt in einer Spanne zwischen knapp vier und gut viereinhalb Prozent. Bernankes Vorgänger Alan Greenspan sprach deshalb im Februar 2005 von einem "Bond-Conundrum", einem Rätsel an den Rentenmärkten. Später wurde dieses vor allem mit der überbordenden Liquidität der Investoren erklärt. Die Renditen der US-Bonds stiegen erst, als die Weltwirtschaft in Schwung kam und andere Notenbanken ebenfalls die Zinsen erhöhten.

Heute ist die Lage noch komplexer. Investoren sorgen sich um die US-Staatsverschuldung und darum, ob die USA langfristig ihr Spitzenrating Dreifach A halten können. Schließlich finanziert die US-Regierung die fast 1,5 Billionen Dollar schweren Rettungspakete für die Banken und die Konjunktur auf Pump. Und die Fed finanziert Staatsanleihe-Käufe über 300 Milliarden Dollar dadurch, dass sie frisches Geld in Umlauf bringt. Das dadurch verursachte Inflationspotenzial verunsichert Anleger zusätzlich.

Trotzdem müssen Investoren keinen ungebremsten Renditeanstieg fürchten. Mitten in der Rezession ist eine Rendite von knapp vier Prozent für nach wie vor ausfallsichere US-Staatsanleihen so schlecht nicht. Zuletzt setzten die Investoren zudem stark auf eine Erholung der Wirtschaft. Negative Überraschungen von konjunktureller Seite könnten Anleger bald wieder zu Staatsanleihen greifen lassen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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