Bulle & Bär
Repower und Nordex: Wacklige Wind-Anlagen

Er sitzt weit weg in Pune. Trotzdem liefert der indische Großindustrielle Tulsi Tanti die einzige überzeugende Erklärung, warum die Aktienkurse deutscher Windanlagenbauer derzeit so schwanken. Der Inder will angeblich Repower komplett übernehmen.

FRANKFURT. In einem ohnehin aufgeregten Marktumfeld gehören Repower und der Konkurrent Nordex seit Tagen zu den volatilsten Aktien. An einem Tag setzen sie sich an die Spitze des TecDax, am nächsten Tag fuhren sie Minusrekorde ein. Fundamentale Gründe für die Schwankungen gibt es kaum. Die Anleger reagieren schon auf kleinste Meldungen extrem nervös. Sie übersehen dabei das Potenzial der Branche, gerade in Krisenzeiten.

Immerhin ist klar: Der Aktienkurs von Repower profitiert von Übernahmefantasien. Seit Ende Oktober hat sich der Preis der Papiere zwischenzeitlich auf mehr als 150 Euro verdreifacht. Der von dem indischen Milliardär Tulsi Tanti aufgebaute Suzlon-Konzern will Repower angeblich komplett übernehmen. Suzlon hält rund 66 Prozent der Repower-Aktien und verhandelt mit der portugiesischen Martifer-Gruppe über deren 22-Prozent-Anteil. Gerüchten zufolge will Suzlon auch die elf Prozent der Aktien erwerben, die im Streubesitz sind. Dafür müsste Suzlon den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate zahlen, das wären mehr als 200 Euro pro Aktie. Der schwache Kurs von zwischenzeitlich nur noch 50 Euro war daher ungerechtfertigt.

So weit, so verständlich. Ansonsten gibt es am Markt viele Übertreibungen. So legten Repower - und Nordex-Aktien vor der US-Wahl an einem einzigen Tag um sage und schreibe mehr als 30 Prozent zu. Angeblich in der Hoffnung auf einen Sieg von Barack Obama, von dem eine fortschrittliche Umweltpolitik erwartet wird.

Doch am Tag nach der Wahl fielen die Kurse wieder rapide. Die Deutsche Bank strich in einer Studie die Wachstumsprognosen für erneuerbare Energien zusammen. Die Befürchtung: Finanzinvestoren könnten im Zuge der Finanzmarktkrise kalte Füße bekommen und sich aus Windkraft-Projekten zurückziehen. Doch diese Gefahr wird schon länger diskutiert, zudem dürfte sie Nordex nur eingeschränkt treffen. Die Finanzinvestoren interessieren sich vor allem für Windparks auf hoher See, sogenannte Offshore-Projekte. Nordex hat sich aus diesem Geschäft bisher fast völlig herausgehalten. Die Windkraftprojekte an Land sind deutlich kleinteiliger, die Finanzierung solider.

Anstatt auf jede Meldung nervös zu reagieren, sollten Anleger ihre Nerven schonen und Ruhe bewahren. Natürlich wird auch die Windbranche unter der Finanzkrise und der zu erwartenden Rezession leiden, doch wahrscheinlich weniger als andere Branchen. Denn der Staat päppelt die klimafreundliche Energietechnik auf, und das wird dauerhaft so bleiben. Der Höhepunkt der Finanzkrise ist vielleicht bald erreicht, der Höhepunkt der sich nur langsam anschleichenden Klimakrise noch lange nicht.

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