Bulle & Bär
Rohstoffe: Beben in sicheren Häfen

Die Kreditkrise erleichtert zumindest eines: Die Suche nach dem Unwort des Jahres - sofern man sie auf die Finanzszene beschränkt. Im Jahr 2007 hätte "Subprime" gewonnen. Für 2008 hat "deleveraging" gute Karten, vor "Credit Crunch". Deleveraging ist der Abbau von Risikopositionen. Genau das passiert zur Zeit bei Banken und Kapitalsammelstellen. Der neuen Strategie fallen die Rohstoffnotierungen zum Opfer.

FRANKFURT. Viele Investoren sind in einem Zustand der Schockstarre. Sie haben zusehen müssen, wie ganz große Finanzhäuser wie Bear Stearns, Fannie Mae und Freddie Mac kollabierten, momentan Lehman Brothers auf der Kippe steht. So mancher mutige Großinvestor hatte darauf eine Handelsstrategie aufgesetzt: Baisse-Positionen auf US-Finanzaktien, gekoppelt mit Haussepositionen auf den scheinbar letzten sicheren Hafen - weiter im Preis steigende Rohstoffanlagen.

Vor zwei Monaten allerdings drehte der Wind. Die US-Regierung gab erste Signale für einen Rettungsplan bei den schlingernden Hypothekengesellschaften Fannie und Freddie. Seitdem stehen die mutigen Investoren, nicht zuletzt Hedge-Fonds, unter Druck. Die Beruhigungsaktion der Regierung wirkte an den Märkten, so dass die Kurse der Finanzwerte zunächst nach oben liefen.

Gleichzeitig stieg der Dollar massiv, ebenfalls wegen der beruhigenden Nachrichten. Die Stärke des Greenback nahm den Rohstoffen zusätzlich Attraktivität. Meldungen über eine nachlassende globale Konjunktur verstärkten die Negativwirkung auf die Rohstoffpreise. Die Bilanz bis heute: Öl verlor ein Drittel, manche Metalle halbierten sich, sogar der klassische Krisengewinner Gold gab um ein Viertel nach.

Jetzt liegen die risikoreichen Hedge-Fonds doppelt schief. Sie müssen ihre Positionen liquidieren. Das belastet Rohstoffe und Rohstoffaktien zusätzlich. Manche Hedge-Fonds bekommen die Kurve nicht - einige mussten inzwischen schließen.

Welche "sicheren Häfen" gibt es in diesen extrem unsicheren Zeiten? Aktien scheinen wenig lohnend, bei Anleihen und Geldmarktanlagen frisst die Inflation die Rendite. Und Rohstoffe haben zumindest in den vergangenen Wochen herb enttäuscht.

Doch fundamental betrachtet hat sich in den vergangenen Wochen wenig geändert. Eher scheint es, als wäre spekulative Luft aus der Rohstoffhausse entwichen. Für Anleger sind nun Einstiegspreise in Sicht. Denn langfristig dürfte der Nachfrageschub für "Commodities" aus den Schwellenländern anhalten, wie auch das Interesse der Großinvestoren an realen Werten.

Hohen Inflationsraten und eine eskalierende Kreditkrise sprechen für stabile Edelmetallpreise. Für europäische Anleger war Gold in den vergangenen Wochen übrigens doch ein relativ sicherer Hafen: Wegen der Dollar-Aufwertung hat der Goldbarren eines Euro-Anlegers nur moderat an Wert verloren.narat@handelsblatt

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