Bulle & Bär
Rohstoffe: Für eine Handvoll Reis

Können Sie sich erinnern, wann es bei Ihnen zuletzt ein leckeres Risotto gab? Oder einfach nur Reis pur? Setzen Sie die Körner auf den Speiseplan, solange Sie es sich noch leisten können. Denn der Preis steigt und steigt; im vergangenen Jahr hat er sich auf mittlerweile 20,50 Dollar je 100 Pfund verdoppelt.

FRANKFURT. Der Grund: Während die Nachfrage vor allem in Asien zunimmt, ist das Angebot knapp. Die größten Produzenten - China, Ägypten, Vietnam und Indien - haben ihre Ausfuhren zurückgefahren. Vietnam forderte heimische Reisbauern auf, bis Juni keine neuen Exportverträge zu unterzeichnen.

Das bekommen etwa die Philippinen als größter Importeur von Reis zu spüren. Im Fernsehen sagte Präsidentin Gloria Arroyo, der Staat werde jeden verhaften, "der dem Volk Reis stiehlt". Offenbar horten einige Händler Reis, um ihn erst bei weiter steigenden Preisen zu verkaufen. Des einen Leid ist eben meist auch des anderen Profit. Ob sich das auch die findigen Produktentwickler der ABN Amro gedacht haben, ist nicht bekannt. Sicher ist nur: So bald eine vermeintliche Nische oder Trend entdeckt wurde, lässt das passende Produkt der niederländischen Banker - aber auch anderer Emittenten - nicht lange auf sich warten. So wie hierzulande Reis praktisch in Kochbeutel abgepackt wird, haben sie den Reispreis in ein Zertifikat verpackt. Seit Anfang März ist das Reis-Open-End-Zertifikat auf dem Markt, es bildet die Entwicklung der Futures für "Rough Rice" an der Terminbörse CBOT in Chicago ab. Je höher der Preis für Reis desto mehr verdient der Anleger, so die Idee. Vom Start weg legte das Zertifikat rund 15 Prozent zu.

Doch Reisköche sollten gewarnt sein. Bevor sie sich mit Zertifikaten gegen den steigenden Preis ihrer Lieblingsspeise absichern, gilt es genau hinzuschauen. Denn es gibt Risiken: zum einen die Wechselkursschwankungen. Der Reis-Future an der CBOT wird in Dollar gehandelt. Da spielt es keine Rolle, dass das Zertifikat in Euro notiert. Zudem kann der so genannte Rolleffekt bei Termingeschäften dazu führen, dass dem Anleger auch bei steigenden Kursen Verluste entstehen. Dies liegt an der Preisdifferenz zwischen dem zu verkaufenden und dem zu kaufenden Kontrakt.

Und dann kommt noch ein Risiko hinzu, das generell für Zertifikate auf Trendthemen gilt: So bald so ein Produkt auf den Markt kommt, ist der Höhepunkt der Kurskurve oft schon erreicht. Beispiel dafür sind Zertifikate auf den Milchpreis. Im Herbst 2007 legte ABN Amro ein entsprechendes Zertifikat auf. Kurz nach der Emission gewann das Papier rund neun Prozent, fiel aber anschließend und liegt mittlerweile etwa acht Prozent unter Ausgabekurs.

Beim Verbraucher wird die Reis-Hausse - wie zuvor bei Milch - erst verspätet ankommen. Hamsterkäufe wurden bisher nicht beobachtet, die Supermarktregale sind gefüllt. Und 500 Gramm Spitzen-Langkorn-Reis der Marke Uncle Ben's gab es gestern noch für 1,69 Euro.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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