Bulle & Bär: Rohstoffe
Intakte Hausse

Manchmal gehen wichtige Nachrichten an den Finanzmärkten einfach unter. Angesichts der Hiobsbotschaften aus der Bankenlandschaft bleibt wohl keine Zeit für die jüngsten und spektakulären Prognosen von Goldman Sachs. Eine der wichtigsten Banken am Rohstoff-Terminmarkt korrigiert ihre Preiserwartungen für einige Commodities dramatisch nach oben.

FRANKFURT. Beim Barrel Öl beispielsweise heben die Goldmänner die Latte von 105 auf satte 175 Dollar je Barrel an, beim Gas verdreifachen sie ihre Zielmarke. Das ist ein Schuss vor den Bug der Skeptiker, die seit einiger Zeit spekulative Exzesse an den Rohstoffmärkten wittern. Von den jüngsten Preisexplosionen fühlen sich die argwöhnischen Beobachter nur bestärkt. Immerhin haben viele Commodities in den vergangenen Wochen so stark zugelegt wie noch nie seit dem Start der Hausse vor fast zehn Jahren. Zwar brachte der Montag einen schmerzhaften Tagesrückschlag. Aber das ist nach dem Preisspurt und angesichts der abdriftenden US-Konjunktur zunächst nur eine gesunde Korrektur.

Jetzt kommen die renommierten Goldmänner und satteln noch eins drauf. Man fühlt sich erinnert an eine spektakuläre Studie aus dem gleichen Hause: Vor drei Jahren schockten die Analysten mit ihrer Ölpreisprognose von 105 Dollar die Finanzwelt - damals kostete das Barrel knapp über 50 Dollar. Nach Erreichen des einstigen Preisziels geben die Experten eine neue Losung für die gesamten Rohstoffmärkte aus. Die Hausse bleibt intakt, allerdings steigen die Preise aus anderen Gründen als bisher. Das Angebot kann mit der Zunahme der Nachfrage insbesondere aus den Schwellenländern immer noch nicht Schritt halten: Explorations- und Förderkosten sind gestiegen, Arbeitskräfte und der Materialeinsatz teurer geworden, und die Förderländer greifen mit höheren Steuern zu. Das belastet die Gewinnmargen der Rohstoffunternehmen.

Mit anderen Worten: Die Firmen haben selbst nach den gestiegenen Rohstoffpreisen wenig Anreiz zur Produktionsausweitung. Deshalb sind die Märkte höchst anfällig für einen Angebotsschock wie zuletzt nach den Problemen bei Südafrikas Versorger Eskom, der die Stromlieferungen senken musste. Das legte große Teile der Minenproduktion lahm und trieb die Preise von Platin und Palladium durch die Decke.

Auch Lehman Brothers stärkt den Haussiers den Rücken. Die Analysten verglichen die Preisbewegungen von börsengehandelten und nicht börsengehandelten Rohstoffen wie Kobalt, Magnesium oder Eisenerz. Spekulanten können sich bei der ersten Gruppe am leichtesten austoben. Deshalb sollten die Preise dieser Commodities am stärksten gewinnen - wenn es denn eine spekulative Blase gibt. Aber es ist genau anders herum. In den vergangenen zwölf Monaten stiegen die an Börsen gehandelten Rohstoffe um ein Drittel, während sich die anderen im Schnitt glatt verdoppelten. So gesehen ist von Exzessen keine Spur.

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