Bulle & Bär
Rückversicherer: Mutlose Cash-Kühe

Suchen Sie billige Aktien, die hohe Ausschüttungen versprechen? Dann sind Sie bei den Rückversicherern richtig. Die Dividendenrenditen übersteigen dort zum Teil fünf Prozent, außerdem sind in der Branche Aktienrückkäufe große Mode.

DÜSSELDORF. Die Gewinne stiegen 2007 auf Rekordniveau. Und die Relation von Kurs zum Gewinn liegt unterhalb des Achtfachen. Auf den ersten Blick handelt es sich bei den Konzernen also um echte Cash-Cows.

Erstaunlich ist aber, dass die Branche nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzt. Sie befürchtet, dass ihre Preise weiter abbröckeln, obwohl alle natürlich versprechen, lieber auf Geschäft zu verzichten, als es zu billig abzuschließen. Auch ein Aufweichen der Versicherungskonditionen ist zu beobachten, und insgesamt sehen die Unternehmen für sich selbst kaum Wachstum voraus. Torsten Jeworrek aus dem Vorstand der Münchener Rück formulierte kürzlich sogar ganz klar, in der niedrigen Bewertung der Aktien komme zum Ausdruck, dass die Branche sich das Vertrauen der Investoren auf dauerhaft solide Erträge erst wieder erarbeiten müsse.

Wichtig sind für die Rückversicherer, die ja auf Großrisiken spezialisiert sind, die nächsten Monate: Jetzt beginnt die Hurrikan-Saison. Die Ratingagentur Fitch weist darauf hin, dass nach den Prognosen der Experten 2008 wieder ein stürmisches Jahr wird. Allerdings gab es für 2007 schon eine ähnliche Vorhersage. Sehr große Schäden fielen aber nicht an, weil die Stürme Gegenden, in denen viele Häuser versichert sind, verschonten. Dies erhöht den Druck auf die Prämien. Hohe Sturmschäden sind für die Branche zunächst ein Verlust. In der Folge gelingt es ihnen aber meist, wieder höhere Prämien durchzusetzen. Laut Fitch müsste nun aber schon ein sehr großer Schaden von über 40 Mrd. Dollar auftreten, um den leichten Abwärtstrend bei den Prämien umzudrehen.

Verwirrende Signale sendet der Großinvestor und Versicherungsunternehmer Warren Buffett aus. Auf der einen Seite verkündet er lauthals, bei den Versicherern sei die Party, die Zeit des leicht verdienten Geldes, vorbei. Andererseits ist er vor einiger Zeit dauerhaft bei der Schweizer Rück und zumindest vorübergehend bei der Münchener Rück eingestiegen. Dieser Widerspruch ist aber zu erklären: Buffett sieht die schmaler werdende Ertragsbasis der Branche, aber auch die niedrige Bewertung. Er kauft dann, wenn der zweite Punkt in seinen Augen überwiegt, selektiv dazu.

Fazit: Wer Wachstumstitel oder schnelle Kurssteigerungen sucht, ist bei den Rückversicherern ganz verkehrt dran. Ihre Aktien eignen sich allenfalls für Anleger, die Papiere mit hohen Ausschüttungen wollen, bei denen wegen der niedrigen Bewertung keine dramatischen Einbrüche zu befürchten sind. Die Münchener Rück steht recht stabil da und expandiert immerhin vorsichtig Ausland. Die Schweizer Rück ist, weil sie sich in den USA verspekuliert hat, niedriger bewertet und daher vielleicht sogar noch attraktiver.

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