Bulle und Bär
RWE: Akute Einschlafgefahr für Aktionäre

Aktionäre haben es in diesen Tagen nicht leicht. Eine Nachrichtenflut aus US-Hypothekenkrise, Zins- und Konjunktursorgen setzt die Kurse an den Aktienmärkten unter Druck. Auch die Kursschwankungen erreichten jüngst ein seit Jahren nicht mehr gesehenes Niveau.

DÜSSELDORF. Ein Kontrastprogramm dazu bietet seit Jahresbeginn die RWE-Aktie, die losgelöst von der anfänglichen Rally und der jüngsten Korrektur des Deutschen Aktienindexes (Dax) zwischen 77 und 84 Euro pendelt. Das vom Gesamtmarkt entkoppelte und zuletzt träge Eigenleben überrascht nicht, denn insgesamt herrscht für RWE-Aktionäre akute Einschlafgefahr.

Die Bewertung? Ist mit einem laufenden Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14 weder ausgesprochen günstig noch teuer. Der neue Chef Jürgen Großmann? Kommt erst im nächsten Jahr. Die Gewinndynamik? Rutscht durch Aufwendungen für CO-Zertifikate in den nächsten zwei Jahren in den einstelligen Prozentbereich. Der Branchenvergleich? Ergibt ein klares Patt: Zwar notiert RWE mit einem Bewertungsabschlag von 15 Prozent auf den Schnitt europäische Versorger. Die wiederum sind nach Berechnungen der Credit Suisse aber auch rund 15 Prozent teurer als im langjährigen Mittel und damit keine Schnäppchen.

Und die Übernahmegerüchte? "Wenn sich jemand tatsächlich für RWE interessieren würde, müsste der Kursunterschied zwischen Stamm- und Vorzugsaktien erheblich größer sein als aktuell zehn Prozent, denn ein Aufkäufer würde zunächst Stammaktien aufkaufen", erläutert Sal. Oppenheim-Analyst Matthias Heck.

Doch wenngleich die Phase steigender Zinsen für dividendenstarke Werte wie RWE eher ein kritisches Umfeld liefert, haben planbare Umsätze und Erträge eines Versorgers im wieder unsicheren Börsenumfeld ihren Reiz. Überdies hat RWE seine Verbindlichkeiten auf zuletzt 6,4 Mrd. Euro reduziert. Mit dem geplanten Verkauf der US-Wassertochter American Water, für den Experten einen Erlös in der Größenordnung von acht Mrd. Euro erwarten, wäre der Konzern komplett schuldenfrei und damit weniger zinssensitiv als noch in den 90er-Jahren.

Und dass sich die Erträge von RWE trotz eines biederen Kerngeschäfts ohnehin langfristig sehen lassen können, zeigt eine langfristige Betrachtung: In den letzten 25 Jahren hat sich der Kurs von RWE inklusive Dividenden verdreiundzwanzigfacht. Das entspricht einer jährlichen Rendite von im Schnitt 13,3 Prozent. Zum Vergleich: Rückberechnet hat sich der Dax im gleichen Zeitraum inklusive Dividenden verdreizehnfacht.

Knapp die Hälfte aller Zugewinne stammen mit RWE-Papieren langfristig aus Dividenden und deren Wiederanlage. Das ist ein Grund mehr für Investoren, die aktuelle Dividendenrendite von fünf Prozent der Stamm- und 5,5 Prozent der Vorzugsaktien nicht nur als Absicherung gegen größere Kursverluste, sondern auch als entscheidenden Renditekick für die Aktienanlage zu sehen.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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