Bulle & Bär
Ryanair und Air Lingus: Harfe gegen Kleeblatt

Gleich zwei Nationalsymbole stehen für Irland: Das dreiblättrige Kleeblatt und die Harfe. Das machte es bisher auch für die Fluggesellschaften des Landes einfach. Doch jetzt könnte das System der Symbole – und nicht nur das – durcheinander kommen.

FRANKFURT. Der Chef der Billigfluglinie Ryanair Michael O’Leary wählte die Harfe als Logo seines Billigfliegers. Das Kleeblatt hingegen ist schon seit Jahrzehnten an den Staatscarrier Aer Lingus vergeben.

Eine Airline in öffentlicher Hand will sich die Republik Irland nicht mehr leisten und brachte die Kleeblatt-Linie vergangenen Oktober an die Börse. Für die Papiere begeisterte sich ein ungebetener Gast: Hauptkonkurrent Ryanair kaufte sich ein und lancierte bereits acht Tage nach dem Börsengang eine 1,4 Mrd. Euro schwere Übernahme-Offerte. Mittlerweile hält Ryanair rund 25 Prozent der Aer-Lingus-Papiere. Das Angebot stieß prompt auf erbitterten Widerstand der anderen Aktionäre. Darunter die irische Regierung, die noch 25 Prozent hält, sowie die Pilotengewerkschaft, die über einen Pensionsfonds beteiligt ist. Auch die EU-Kommission meldete erhebliche Bedenken an. Mit diesem Zusammenschluss könne eine marktbeherrschende Stellung des fusionierten Unternehmens entstehen. Bis zum 11. Mai muss die EU–Kommission über den Fall entscheiden.

Ryanair hat zwar den Angriff vorerst abgeblasen. Marktteilnehmer halten aber einen zweiten Anlauf für möglich. Die Aktie pendelt derzeit um die Marke von 3,20 Euro. Ryanair hatte 2,80 Euro je Aktie geboten. Seit dem Börsengang hat das Papier immerhin um gut 43 Prozent zugelegt.

Ein erneuter Übernahmeversuch ist nicht ausgeschlossen: O’Leary hat eine indirekte Drohung in Richtung der widerspenstigen irischen Regierung und der EU-Kommission gerichtet: er wolle einen eigenen Billigflieger für die Langstrecke aufbauen. Damit bekäme Aer Lingus auf ganzer Breite den Gegenwind der Konkurrenz zu spüren. In einem Preiskampf auf allen Fronten könnte der kleine ehemalige Staatscarrier kaum bestehen, was auch nicht im Sinne Dublins und Brüssels wäre. Die Kleeblatt-Airline kämpft damit, endgültig den Turn-around zu schaffen. Im vergangenen Jahr fuhr Aer Lingus bei einem Umsatz von rund 1,1 Mrd. Euro einen Verlust von 70 Mill. Euro ein. Für die Fluggesellschaft wäre eine Fusion gegebenenfalls die einzige Möglichkeit, überhaupt zu überleben

.

Der Aufbau eines eigenen Langstreckennetzes wiederum käme O’Leary teuer zustehen. Zumal er nicht die Marke Ryanair damit belasten will, sondern eine neue Airline aus dem Boden stampfen möchte. Daher halten Analysten den Kauf von Aer Lingus für die beste Option, die sich Ryanair bietet. Ryanair hatte der irischen Regierung und der EU–Kommission schon den Verzicht auf einige Strecken angeboten. Wagemutige Anleger können daher ihr Glück versuchen und auf ein weiteres, attraktiveres Angebot von Ryanair setzen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%