Bulle & Bär
Salzgitter, MLP, K+S: Aufsteigern droht der Abstieg

Was haben K + S, MLP und Salzgitter gemeinsam? Eigentlich nichts. Dennoch sollten Anleger die drei Aktien miteinander vergleichen.

DÜSSELDORF. Der Kali- und Salzförderer K + S und die Stahlschmiede Salzgitter stehen so dicht vor dem Aufstieg in den Deutschen Aktienindex (Dax) wie noch nie. Im September könnte es soweit sein. Grund dafür sind hervorragende Geschäfte und eine tolle Kursperformance. Die Aktie des Düngemittelspezialisten K+S hat sich binnen zwei Jahren versiebenfacht. Der Kurs Salzgitters stieg in drei Jahren immerhin um das Fünffache.

Rückblende: Die als lokale Versicherungsagentur gegründete MLP AG feierte Ende der 90er Jahre als Finanzdienstleister für Akademiker große Erfolge. Der Kurs stieg rasant, auch getragen von der Blase des Technologiebooms. Aus knapp 40 Euro Ende 1999 wurden ein Jahr später 160 Euro. Logische Folge: Der Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse kam am 30. Juli 2001 nicht mehr um seine lang hinaus gezögerte Entscheidung herum, MLP in den Dax aufzunehmen. Begleitet von heftiger Kritik hatte sich der Rat mehrfach gegen die Aufnahme entschieden, obwohl der Senkrechtstarter alle Kriterien erfüllte.

Kaum im Dax angekommen, stieg der Kurs aber nicht weiter, wie zu erwarten gewesen wäre. Denn auch schon damals konzentrierten sich viele institutionelle Investoren mit weitgehend passiv gemanagten Fonds auf die Abbildung des Dax. Deshalb winkt ein Kurssprung, sobald der Aufstieg in Deutschlands Beletage gelingt.

Doch bei MLP kam alles anders: Erst drückten Hedge-Fonds mit Leerverkäufen den Kurs, weil die Aktie gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und gegenüber den Wettbewerbern überbewertet war. Dann schickten Spekulationen über Bilanzfälschungen die Aktie erst recht auf Talfahrt. Obendrein belastete die schwere Börsentalfahrt. 2003 kostete die Aktie weniger als sieben Euro.

Zugegeben, MLP ist ein Extrembeispiel. Und doch signalisiert es eine große Gefahr: Häufig winkt ein Dax-Aufstieg aufgrund des rasant gestiegenen Börsenwerts. So wie jetzt bei Salzgitter und K+S.

Beide sind zwar keineswegs überbewertet. Die Kurse stiegen in Einklang mit explodierenden Nettogewinnen aufgrund der boomenden Weltkonjunktur. Aber beide Firmen sind stark vom Lauf der Wirtschaft abhängig, also typische Zykliker. Das sind am Vorabend einer weltweiten Konjunkturabschwächung keine guten Startvoraussetzungen im Dax. Dem Aufstieg droht ein rascher Abstieg, wenn Anleger sich ganz besonders von konjunktursensiblen Aktien verabschieden.

Übrigens, in der 20-jährigen Geschichte des Dax gelang es nur einem Unternehmen, nach dem Abstieg wieder aufzusteigen: Continental. Im zweiten Anlauf beglückte der Reifenhersteller und Spezialist für Antriebssysteme seine Anleger mit einer Versechsfachung des Kurses. Wohlgemerkt - nach dem Wiederaufstieg.

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