Bulle & Bär
Scan Energy zwischen Lust und Last des Wachstums

Der Börsengang von Scan Energy wirft seine Schatten voraus. Bald nennt der dänische Betreiber von Wind- und Solarparks seine Preisspanne. Das Unternehmen bietet eine Menge Phantasie.
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Christian Schnell

Frankfurt

Noch mehr als eine Woche dürfen Anleger rätseln, was die Aktie des Börsenkandidaten Scan Energy denn kosten dürfe. Erst am 1. Dezember will der dänische Betreiber von Wind- und Solarparks eine Preisspanne nennen, anhand der sich dann trefflich diskutieren lässt, ob die Aktie zu billig oder zu teuer angeboten wird. Decoupled Bookbuilding nennt sich das Verfahren, das seit einigen Jahren auch in Deutschland Einzug hält und das den Ansatz hat, dass man zuallererst mal bei den Investoren anfragt, was diesen denn die Aktie so wert wäre, ehe man selbst einen eventuell überzogenen Preis wählt.

Generell haben nun aber Investoren die Angewohnheit, dass ihnen neue Aktien grundsätzlich zu teuer sind. Deswegen jammern sie gerne über hohe Bewertungen, obwohl sie eigentlich doch interessiert sind. Ansonsten müssten sie auch gar nichts sagen, weil sie diese oder jene Aktie ohnehin nicht für kaufenswert halten. Da der Profit aber bekanntlich im Einkauf liegt, gehört das traditionell zum Geschäft.

Dass sie sich bei Scan Energy ob eines besonders hohen Ausgabepreises besonders grämen müssen, erscheint indes unwahrscheinlich. Das Unternehmen bietet zwar hohe Wachstumschancen und macht auch sonst einen äußerst soliden Eindruck. Eines kommt Investoren aber zugute: Um das starke Wachstum zu finanzieren, braucht es Geld. Deswegen der Börsengang und deswegen gerade jetzt. Sechs Projekte sind derzeit in Planung, worauf das Management nicht ohne Stolz hinweist. All diese Projekte wollen finanziert sein.

Den anfänglich hohen Kosten steht später ein steter Ertrag gegenüber

Gerade bei den Wind- und Solarpark-Projektierern entstehen ganz am Anfang hohe Kosten. Finanziell interessant wird es erst später, schließlich verheißen diese Anlagen 20, 30 oder gar 40 Jahre lang stetig wiederkehrende Gewinne bei halbwegs überschaubarem Wartungs- und Erhaltungsaufwand.

Lust und Last an der Aktie von Scan Energy ist, dass das Unternehmen nicht wächst, sondern nahezu explodiert. Erst im Jahr 2003 gegründet stieg das Produktionsvolumen von damals sieben Megawatt (MW) bis auf 369 MW und soll nach dem Börsengang auf rund 650 MW anwachsen. Zu den Ländern wie Deutschland, Frankreich, Spanien und Dänemark, in denen man heute bereits vertreten ist, kommen Großbritannien, Polen, Tschechien, Italien und Griechenland.

Jetzt ist Scan Energy erst mal in anderer Mission unterwegs. Die Roadshow quer durch Europa bei möglichen Investoren in London, Zürich, Genf, Paris, Amsterdam und Brüssel steht an. Dort kann man eine Aktie anpreisen, die es so in dieser Form an der Börse noch nicht gibt. Und die gleichzeitig für Wachstum und Geldbedarf steht. Die Investoren werden dies geschickt auszunutzen wissen.

schnell@handelsblatt.com

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