Bulle & Bär
Schlechtes Omen für den Dax

Eine rasantere schwankungsvollere Achterbahnfahrt haben die Aktienkurse selten erlebt. 500 Punkte gewann der Deutsche Aktienindex (Dax) in den vergangenen 13 Handelstagen. Zuvor hatte er in einem Monat 1000 Punkte verloren. Nun stellt sich die Frage: Wie sollen die Anleger mit diesen Börsenkapriolen umgehen?

HB DÜSSELDORF. Auch wenn die kräftige Erholung eine andere Strategie nahelegt - viel spricht dafür, schwächere Börsentage abzuwarten und dann Aktien noch etwas günstiger als heute einzukaufen. Die Immobilienkrise zerstörte den Traum vieler Börsianer, dass der Deutsche Aktienindex (Dax) die 8000er-Hürde nachhaltig hinter sich lassen würde. Wir erinnern uns: Im Frühjahr 2000 erklomm der Dax das erste Mal diesen Gipfel, um dann jäh abzustürzen. Sieben lange Jahre dauerte es, ehe der Dax das alte Hoch endlich übersprang.

Doch nur wenige Wochen später schien sich die Vergangenheit zu wiederholen, wonach 8000 Punkte eher ein Omen für den Absturz als für denAufbruch sind. Nun fürchten Anleger den Domino-Effekt: Die sinkende Häuserpreise, höhere Zinsen und die Schieflagen bei Banken und Hedge-Fonds führen zu mehr Zwangsversteigerungen. Irgendwann bricht der Konsum ein, die Unternehmensgewinne fallen und es kommt schließlich zu einer Rezession. Je wirklicher diese Vorstellung, desto mehr beschleunigte sich die Talfahrt der Kurse.

Doch es kam anders. Die Notenbanken und US-Regierung pumpen Geld in den ausgetrockneten Bankenmarkt und eilen vielen Häusleeigentümern, die eigentlich nie hätten kaufen dürfen und jetzt ihre Zinsen nicht bezahlen können, zu Hilfe. Das konnte im Vorhinein kaum jemand erwarten. Entsprechend drastisch fallen die Kursreaktionen aus, signalisiert man doch den Börsen: "Wenn es Probleme gibt, dann kommt Hilfe."

Zwar scheint ein akuter Liquiditätsengpass erst einmal abgewendet. Dennoch fällt es schwer zu glauben, dass die Auswirkungen der zweifellos immer noch präsenten Immobilienkrise überwunden sind. Insbesondere die jetzt beginnende Phase vor der Berichtssaison zum dritten Quartal dürfte näheren Aufschluss geben. In den nächsten Wochen wagen sich all jene Unternehmen an die Öffentlichkeit, die die Anleger wegen unerwartet schlechter Erträge mit einer Gewinnwarnung sagen, was Sache ist.

Darüber hinaus bleibt die Nervosität hoch, weil der historisch üblicherweise schwächste Börsenmonat September gerade erst begonnen hat. Zwar sollte niemand das Argument verachten, wonach vorausschauende Investoren die inzwischen erwartete Schwäche bereits im August antizipiert haben. Doch, dass damit jetzt schon die "Jahresendrally" gestartet ist, erscheint dann doch allzu optimistisch zu sein. Wahrscheinlicher ist, dass noch eine ganze Reihe von Unternehmen bei den anstehenden Quartalsberichten mit Hiobsbotschaften überraschen, die der Immobilienkrise geschuldet sind. Dann kommt es auch an der Börse zu neuen Rückschlägen.

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