Bulle & Bär
Schleichendes Siechtum bei deutscher Aktienkultur

Er steht auf der Liste der ernsthaft bedrohten Arten: der Aktionär. Im ersten Halbjahr hielten nur noch 9,8 Millionen Deutsche Aktien beziehungsweise Aktienfonds. Das ist ein Aderlass von 15 Prozent gegenüber dem vergangenen Jahr, wie das Deutsche Aktieninstitut am Dienstag meldete.

FRANKFURT. Im Vergleich zum Höchststand aus dem Jahr 2001 mit über 12,8 Mill. Bundesbürgern hat sich sogar jeder Vierte von der langfristig renditeträchtigen Anlage verabschiedet. Was ist nur los? Die Deutschen haben während der Hausse der vergangenen Jahren Milliarden an Gewinnen sausen lassen.

Sicher, seit dem Start der Kreditkrise vor etwa einem Jahr ticken die Börsen-Uhren anders. Es geht abwärts, heftige Verluste haben sich aufgetürmt. Und der Trend dürfte dank immer neuer Hiobsbotschaften auf absehbare Zeit anhalten. Man denke nur an die jüngsten Meldungen über weitere Schieflagen bei amerikanischen Banken und Hypothekenfinanzierern. Auch die Enthüllung über Bereicherungen von selbst deklarierten Aktionärsschützern heben die Stimmung kaum.

Im trüben Kapitalmarktumfeld sind steigende Aktionärszahlen schlicht undenkbar. Eher werden sich noch mehr Privatanleger von taumelnden Aktien trennen. Ein Jammer, dass sich die Abwärtsspirale zur Unzeit schneller nach unten dreht. Die Deutschen brauchen Milliarden für die eigenverantwortliche Vorsorge, wollen sie nicht in Altersarmut enden. Hier sind Aktien wichtige Bausteine. Selbst wenn in näherer Zukunft weitere Verluste anfallen: Über Ansparzeiträume von zwei oder drei Jahrzehnten spielen solche Abtaucher keine Rolle.

Der Staat trägt allerdings seinen Teil zum Scheitern des Aktiendenkens bei. Er bietet keine Anreize für die Eigenvorsorge, sondern lässt seine Bürger offenen Auges in einen Lebensabend auf Sozialhilfeniveau laufen. Alle Riester-Pläne sind nur ein Feigenblatt. Nötig wären hohe Vorsorgebeträge, die die Deutschen aus ihrem Bruttoeinkommen steuerfrei in Sparformen ihrer Wahl stecken könnten. Andere Länder haben das vorgemacht.

Daran hat Vater Staat allerdings kein Interesse. Im Gegenteil, er vergrätzt seinen Untertanen mit der geplanten Abgeltungsteuer das Aktiensparen zusätzlich. So laufen die Deutschen im schlimmsten Fall in eine Katastrophe. Der Vermögensverlust durch die jetzt wieder steigende Inflation ist dabei noch nicht einmal eingerechnet.

Die Privatanleger können sich zwar nicht direkt gegen das Versagen der Politiker und die eingetrübten Börsenperspektiven wehren. Doch mit intelligenten Strategien besteht die Möglichkeit, gegenzusteuern. Erfolg versprechend sich vor allem langfristige Sparpläne mit möglichst regelmäßigen Einzahlungen. Hier sind Investmentfonds mit starker Aktienkomponente erste Wahl. Bei der konkreten Produktentscheidung sollte der Zuschlag an Fondsverwalter mit ausgewiesener Erfolgsbilanz gehen. Das wahrt die Chance auf einen menschenwürdigen Lebensabend.

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