Bulle & Bär
Schnaps-Aktien aus Brasilien

Endlich können auch Aktien-Investoren an Brasiliens Ethanolboom teilnehmen. An der Bovespa in São Paulo sind inzwischen Unternehmen der Branche notiert, und weitere Börsengänge stehen bevor. Bis vor kurzem war die Zuckerbranche größtenteils von wenig transparenten Familienkonzernen dominiert. Das ändert sich jetzt langsam.

Doch die Qualität der Werte ist schwer einzuschätzen. Wegen der hohen Liquidität und des Interesses an der Branche kommen auch Konzerne an die Börse, die dort sonst wenig Chancen hätten. Denn seit Brasilien zum wichtigsten Standort für die Ethanolproduktion weltweit geworden ist, kaufen gerade ausländische Investoren alles, was nicht niet- und nagelfest ist.

Als Unternehmen noch am einfachsten einzuschätzen, sind die Produzenten selbst: Neben dem weltgrößten Zucker- und Ethanolexporteur Cosan ist auch dessen Konkurrent São Martinho seit einigen Monaten als Aktie gelistet. Bald dürfte Nova America folgen. Auch die Kontrolleure von Vale do Rosário wollen noch dieses Jahr an die Börse.

Die Aktien der Ethanol-Produzenten sind noch günstig, weil die niedrigen Zuckerpreise die Gewinne schmälern. Zudem sind die Ethanol-Exporte in die USA ausgefallen. Doch werden die Ethanol-Preise in Brasilien nicht ins Bodenlose abstürzen, weil die dortige Autoflotte immer mehr Ethanol tankt und die steigenden Mengen selbst verbraucht.

Aber Vorsicht: Die Kurse der Ethanol-Aktien sind anfällig für Kursschwankungen. Denn sie hängen als Treibstoffalternative am Ölpreis. Andererseits steigen die Kosten: Die Bodenpreise haben sich wegen des Ethanolbooms in Brasilien verdoppelt.

Interessant sind auch einige Aktien von Zulieferern oder Dienstleistern der Branche. So will der Schienennetzbetreiber America Latina Logística (ALL) zusammen mit großen Ethanolproduzenten ein integriertes Lager- und Transportnetz aufbauen. Auch Konkurrent MRS Logística, der sonst Brasiliens Erz an die Küste bringt, will mehr Ethanol transportieren. Beide Unternehmen sind schon länger börsennotiert. Neu an die Börse gekommen ist Wilson Sons, ein Hafenbetreiber, der künftig eine wichtige Rolle beim Ethanol-Export spielen könnte. Börsenneuling ist auch der Düngemittelproduzent Fertilizantes Heringer. Seit dem Börsengang im April hat die Aktie zeitweise 40 Prozent an Wert gewonnen.

Achten sollten Investoren auf künftige Börsengänge in der Wertschöpfungskette für Ethanol: Dazu gehört der Anlagenbauer Dedini, der ein Viertel des Weltmarktes für Alkoholanlagen besitzt. Seit 2003 hat der Konzern seinen Umsatz auf heute rund 850 Millionen Euro vervierfacht. Ein Viertel der Zucker- und Ethanolfabriken weltweit kommen aus der Nähe von São Paulo. Ein interessantes IPO ist zudem die brasilianische Terminbörse BM&F. Sie will vor der Nybot in New York zum führenden Handelsplatz für Ethanol und Zucker und zum weltweiten Preismacher werden.

busch@handelsblatt.com

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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