Bulle & Bär
Schöner wohnen mit Riester

Die große Koalition in Berlin will die bisher sehr bescheidenen Möglichkeiten, die Riester-Förderung für den Bau einer Wohnung oder eines Hauses einzusetzen, deutlich erweitern. Die Details stehen noch nicht fest. Skeptiker befürchten nun, damit werde ein falsches Signal gesetzt.

DÜSSELDORF. Ihre Sorge: Wenn für das eigene Häuschen geriestert wird, fällt damit der Aufbau eines Geldvermögens flach, aus dem später die zu erwartenden Lücken der staatlichen Rente gestopft werden können. Um diesen Bedenken Rechnung zu tragen, wird es möglicherweise eine Kompromisslösung geben - so zum Beispiel die Regelung, dass nur die Hälfte des Riestervolumens in die Immobilie fließen darf.

Die Verbraucherzentrale Bremen setzt sich dagegen vehement dafür ein, die volle Riesterförderung auch für den Wohnungsbau zuzulassen. Und sie belegt das mit einer eindrucksvollen Vergleichsrechnung. Dabei kommt heraus: Ein junges Paar, dass das volle Riesterkapital für den Bau einsetzt, spart enorm gegenüber einem anderen, das nur die Hälfte einsetzen kann. Beim gerechneten Beispiel, das durchaus realistisch ist, beträgt die Differenz immerhin 35 000 Euro.

Wer hat also Recht? Die Riester-Puristen, die darauf beharren, dass die Förderung für ihren ursprünglichen Zweck eingesetzt wird, nämlich die staatliche Rente aufzustocken? Oder die nüchternen Rechner von der Verbraucherzentrale? In gewisser Weise haben beide recht. Auf der einen Seite ist es ein gefährlicher Irrglaube, dass man mit dem eigenen Häuschen allein schon genug für die Altersvorsorge getan hätte. Und häufig wird auch übersehen, dass es ein ungeheurer Luxus ist, wenn Paare nach dem Auszug ihrer Kinder weiterhin ein - dann eigentlich zu großes - Haus bewohnen. Wer zu sehr auf die Immobilie als Altersvorsorge setzt, sitzt daher möglicherweise irgendwann mit wenig Geld in einem zu großen Haus, das sich vielleicht auch noch, weil die Lage inzwischen nicht mehr gefragt ist, schlecht verkaufen lässt. Daher ist es wichtig, auch Geldvermögen aufzubauen.

Auf der anderen Seite haben aber auch die Verbraucherschützer recht. Es ist in der Regel günstig, möglichst viel (mit oder ohne Riester) angespartes Kapital in ein Haus zu stecken. Denn nach aller Wahrscheinlichkeit kostet die Hausfinanzierung mehr, als die Geldanlage bringt - schließlich wollen die Banken auch was verdienen. Anders gesagt: Wer sich für sein Häuschen verschuldet und gleichzeitig Aktien kauft, spekuliert indirekt auf Pump - und das ist selten eine gute Idee.

Ganz rational ist also folgendes Vorgehen: Sparen, dann ein nicht zu großes Haus bauen und das gesamte Kapital einsetzen, anschließend möglichst schnell wieder sparen, um zusätzlich Geldvermögen aufzubauen. Das verlangt freilich viel Disziplin.

Eine möglichst flexible Riesterförderung nützt also den Verbrauchern. Aber nur, wenn sie auch gut beraten werden und keine falschen Schlüsse aus der neuen Immobilienförderung ziehen.

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