Bulle & Bär
Schwarz-weiße Sicht auf Anlageberater

Geht es um Anlageberatung in Deutschland, dann ist die öffentliche Meinung eindeutig. Anlegeberater sind entweder gewissenlose Verkäufer von Banken und Sparkassen, die unbedarftemn Kunden überteuerte Produkte aus dem eignenen Haus andrehen wollen oder es sind Honorarberater mit strahlend weißer Weste. Die Realität sieht, wie so oft, anders aus.

FRANKFURT. Auf der schwarzen Seite der öffentlichen Meinung stehen die unter dem Deckmantel der Beratung angetretenen Verkäufer der Banken und Sparkassen, die unwissenden Kunden überteuerte und minderwertige Hausprodukte andrehen, damit Provisionen fließen und die Institute ihre Gewinne ins Unermessliche steigern.

Strahlend weiß scheint indes der Ruf der Honorarberater. Diese Gruppe von Gutmenschen ist allein dem Ansporn verpflichtet, unter absoluter Unabhängigkeit dem Kunden nur das für ihn beste Produkt herauszusuchen. Als Gegenleistung mögen sie dafür ein bescheidenes Honorar erhalten.

Wer die Realität betrachtet, der kommt jedoch zu einem weit ausgewogenerem Bild. Zwar ist es richtig, dass das Gros der Anlageberatung in Deutschland beinahe traditionell bei Banken, Sparkassen, Versicherungen und Finanzdienstleistern abläuft. Und es ist ebenfalls richtig, dass dort in erster Linie hauseigene Produkte oder die der Verbundpartner verkauft werden. Dafür ist die Beratung kostenlos, und die Produkte sind solide. Viele Deutsche-Bank-Kunden, die einen DWS-Fonds gekauft haben, oder Sparkassenkunden mit dem Deka-Fonds werden das bestätigen.

Vom Honorarberater erwarten die Kunden deshalb zu Recht mehr. Immerhin ist es inzwischen leicht, einen zu finden. Rund 1 100 von ihnen sind auf der Internetseite "www.berater-lotse.de" - einer Art Branchenbuch - vertreten. Die nehmen laut Eigenverpflichtung nur Honorar für die Beratung und kassieren nicht nebenher Provision für den Abschluss beim Produktanbieter. Wer die Liste jedoch durchleuchtet, findet jede Menge Rechtsanwälte, Steuerberater und Versicherungsmakler, die offensichtlich alle die Honorarberatung als Einnahmequelle entdeckt haben.

Ohnehin sind diejenigen der Branche, die nur gegen Honorar arbeiten, laut der Stiftung Warentest in der Minderheit. Weitaus verbreiteter ist stattdessen das Modell, Honorar und Provision miteinander zu kombinieren. Vereinfacht ausgedrückt heißt das: Honorar fällt nur bei Nichtabschluss an, ansonsten kassieren die Berater die deutlich üppigere Provision. Wobei sich die Frage stellt, ob der Berater bei diesem Modell tatsächlich das beste Produkt für den Kunden aussucht oder aus einer Reihe von guten nur das mit der höchsten Provision.

Wer als Kunde also gute Anlageberatung sucht, sollte nicht auf die Kampagne vom schlechten Bankberater und vom guten Honorarberater hereinfallen. Vielmehr sollte er nach der Qualifikation des Beraters fragen. Ist der beispielsweise "CFP", also Certified Financial Planner, oder verfügt er über ähnliche Qualifikationen? Die gut ausgebildeten Berater finden sich übrigens in allen Bereichen der Anlagebranche: Von Banken, Sparkassen, Versicherungen über Immobiliengesellschaften bis zu Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern. Und eben auch bei den freien Finanzdienstleistern.

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