Bulle & Bär
Schwere Fracht für Aktien

Die Weltwirtschaft kühlt sich merklich ab und viele sprechen schon von einer drohenden Rezession. Jetzt können Experten für solch düstere Prognosen nicht mehr nur einschlägige Wirtschaftsdaten ins Feld führen. Auch der Absturz der Frachtraten lässt Schlimmes befürchten.

FRANKFURT. Der "Frachtratenindex" gilt als guter Indikator für die künftige Wirtschaftsentwicklung. Die Weltwirtschaft ist eng verwoben mit dem globalen Handel. Mehr Handel beflügelt die Konjunktur. Und Handel läuft vor allem über die Weltmeere. Der Treibstoff für die Ökonomien wird vor allem per Schiff transportiert: Es geht um Massengutfrachten wie Kohle oder Eisenerz, dabei vor allem um Rohstoffe. Einer der wichtigsten Indikatoren für Frachtraten auf diesem Feld ist der Baltic Dry Index. Er spiegelt die Transportpreise auf dem Seeweg wider.

Der Index hat sich innerhalb von fünf Jahren verzehnfacht und erreichte im vergangenen November seine Spitze. Diese explosive Entwicklung verwundert angesichts der boomenden Konjunkturen gerade in den aufstrebenden Ländern kaum. Nach dem Hoch im November kollabierte der Index allerdings, Ende Januar hatte er rund 70 Prozent verloren und erholte sich in den vergangenen Wochen nur leicht. Konjunkturskeptiker sehen sich deshalb in ihrer Erwartung bestätigt.

Eine rasante Index-Talfahrt hielten viele Beobachter noch vor einem halben Jahr für abwegig. Manche wollten diese Prognose nur für den Fall einer echten Kreditkrise reservieren. Und in der Tat beginnen sich immer mehr Analysten mit diesem Szenario zu beschäftigen. Die schlechten Konjunkturdaten aus den USA reißen ebenso wenig ab wie die Hiobsbotschaften aus der internationalen - auch der deutschen - Bankenszene.

Für Anleger ist der Frachtratenabsturz aus zwei Gründen wichtig. Zunächst haben einige Zertifikateemittenten Produkte auf diesen Index lanciert. Die Entwicklung dieser Offerten konnte die hoch gesteckten Erwartungen bisher nicht erfüllen. Unabhängig von der Lagebeurteilung verlangte im vergangenen Jahr ein Einstieg nach fünf Jahren mit einer Preisverzehnfachung allerdings auch großen Optimismus - die Hoffnung auf einen anhaltenden Höhenflug.

Außerdem legt der Rückschlag spätestens jetzt nahe, die eigene Anlagestrategie rezessionsfest zu machen. Das heißt konkret: Aktien bleiben auch nach den massiven Einbußen im Januar gefährdet. Die Analysten dürften ihre Schätzungen für die Unternehmensgewinne noch deutlich senken. Aktien sind daher nicht so preiswert wie sie derzeit erscheinen.

Anleihen mit längerer Laufzeit bleiben vorerst eine Halteposition. Sie werden von weiteren Finanzmarktturbulenzen eher profitieren - so wie in den vergangenen Monaten. Allerdings wird ihre Zeit dann ablaufen, wenn die Anleger den Blick stärker auf die steigende Inflation richten. Dann sind Bonds kein sicherer Hafen für Anleger mehr.

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