Bulle & Bär
Seehandel: Rendite an Bord

Es ist der unauffälligste Börsenrekord seit langem: Der "Baltic Exchange Dry Index" erreichte jetzt ein neues Allzeithoch. Völlig zu unrecht lieferte das bislang lediglich Insidern Gesprächsstoff. Der Index spiegelt die Entwicklung der Frachtpreise auf Standardrouten für das Verschiffen von Massenfrachtgut wider. Es geht vor allem um Rohstoffe wie Kohle, Eisenerz und Getreide.

FRANKFURT. Der Frachtraten-Index hat eine spektakuläre Geschichte hinter sich. Er steht heute elf Mal höher als vor sechs Jahren. Im vergangenen November stürzte der Index zwar um die Hälfte ab, hat diesen Kollaps aber locker verdaut und setzt nun die Rekordjagd fort.

Der Boom hat einen simplen Grund: Auf dem Meer ist Ladekapazität knapp geworden. Die Nachfrage nach Rohstoffen in China und Indien steigt weiter. Dazu kommt aktuelles Gedränge beim Verladen an wichtigen Hafen-Terminals in Brasilien und Australien, was die verfügbaren Schiffskapazitäten zusätzlich senkt.

In den vergangenen Tagen treibt auch das große Erdbeben in China die Frachtraten in die Höhe. Kurzfristig können Teile der Küstenregion nicht aus dem verheerten Hinterland versorgt werden, sondern sind auf die Güterzufuhr über See angewiesen. Langfristig werden zudem Rohstoffe für den Wiederaufbau in der Erdbebenzone gebraucht.

Der in London täglich berechnete Index gilt als Stimmungsbarometer für den Welthandel und damit in gewisser Weise für die Weltkonjunktur - auf den Ozeanen ist demnach noch nichts von einer vielfach erwarteten Rezession zu sehen. Immerhin 95 Prozent des interkontinentalen Handels werden über den Seeweg abgewickelt.

Früher konnten Anleger über geschlossene Schiffsfonds einsteigen. Die Produkte haben meist Laufzeiten von über zehn Jahren und sind nur schwer zu verkaufen. Außerdem wird häufig nur in ein Schiff oder eine kleine Zahl von Schiffen investiert. Das birgt Ausfallrisiken.

In den vergangenen Jahren animierte der Boom auf See Banken und Investmenthäuser zur Emission leichter handelbarer Produkte. Inzwischen buhlen einige Zertifikate und Fonds um Interessenten. So offerieren etwa die Dresdner Bank, Royal Bank of Scotland und Morgan Stanley Zertifikate mit begrenzten Laufzeiten und Risikopuffern. Diese Produkte haben allerdings teilweise mit ihrem Abschneiden enttäuscht.

Der Fondsanbieter DWS geht das Thema etwas anders an. Er hat einen "Global-Shipping-Index" mit Aktien aus dem Bereichen Schiffbau, Reederei, Hafenbetreiber sowie Versorger- und Spezialschiffe zusammengestellt und bietet ein entsprechendes Zertifikat an.

Die Kurse von Branchenvertretern wie der griechischen Diana Shipping oder China Shipping Development sind zuletzt kräftig gestiegen. Sie nähern sich ihren Topständen aus dem vergangenen Jahr an. Der Kursaufschwung wäre wohl erst bei einer starken Konjunkturabkühlung gefährdet - sei es in USA oder China.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%