Bulle & Bär
Selbst ist der Privatanleger

Jeder Privatanleger kennt die Geschichte: Man hat sich nach einigen Beobachtungen im Alltag zu einer Aktie oder einem Produkttrend eine Meinung gebildet und will aus dem „gesunden Menschenverstand“ heraus investieren. Ein Beispiel aus der Vergangenheit ist der Autohersteller Volkswagen.

FRANKFURT. Zuvor massiv in der Krise, jetzt aber mit neuen Sanierern an Bord, konnte man davon ausgehen, dass ein solcher Koloss irgendwann wieder in die Gänge kommt. Ein klassisches Langzeitinvestment für Privatanleger also. Wer damals aber die einschlägigen Webseiten nach Analystenempfehlungen durchforstete, war mehr als verwirrt. Neben ein paar wenigen Kaufempfehlungen fanden sich dort Ratschläge wie „halten“ oder „untergewichten“ und ein Reihe von „verkaufen“. Erst als die Aktie wieder stieg, wurden die Empfehlungen positiver. Da war für den vorsichtigen Anleger, der auf die Analysten gehört hatte, der Zug aber schon abgefahren.

Spricht man mit Analysten über solche Unternehmen, die zwar langfristig gute Aussichten haben, aber kurzfristig wenig Kurspotenzial bieten, ist die Begründung für die Noten „halten“ und „verkaufen“ immer dieselbe: „Wenn ich meine Kunden da jetzt rein schicke, ist das Investment für sie in den nächsten zwei, drei Quartalen totes Geld!“ Meist folgt dann der Hinweis, dass in einem Abschnitt im hinteren Bereich einer Studie die langfristigen Chancen der Aktie sehr wohl aufgeführt seien. Mit „Kunden“ meinen die Banker natürlich institutionelle Anleger, die täglich riesige Summen disponieren. Für die ist der Einsatz einiger hunderttausend Euro, die zwei, drei Quartale keinen Gewinn bringen, tatsächlich ein Verlustgeschäft. Denn sie müssen intern die Kapitalkosten buchen, und da kann auch bei wenigen Prozentpunkten viel Geld zusammenkommen.

So richtig diese Sichtweise für die großen Investoren ist, so wenig einleuchtend ist sie für den Privatanleger. Er ist meist nicht in der Lage, täglich die Kurse zu verfolgen und das Geld umzudisponieren und ist deshalb auf langfristige Anlagen angewiesen. Aber für solche Zeithorizonte und Strategien schreibt der durchschnittliche Wertpapieranalyst nicht, denn dafür wird er von den Pensions- und Hedge-Fonds nicht bezahlt.

Fazit: Wer langfristig investieren will, sollte sich von durchwachsenen Analystenempfehlungen nicht gleich von seiner Idee abbringen lassen. Das beste Beispiel, dass die Abkopplung von der Hektik der Profis funktionieren kann, ist der legendäreGroßinvestor Warren Buffet. Investitionen in einfache Kapitalmarktstories, wie die des Getränkemultis Coca-Cola, brachten ihm viele Millionen.

Leider führt nicht jede aus Alltagsbeobachtungen entstandene Investmentidee auch zum Erfolg. Zu den Risiken sollte man vorher seinen Bankberater fragen und dann mutig die Verantwortung für die Entscheidung selbst tragen.

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