Bulle & Bär: Simbabwe
Hoffnung im Chaos

Robert Mugabe will nicht weichen: Der Despot klammert sich an die Herrschaft. Aber die Herrschaft des Terrorpräsidenten in Simbabwe bröckelt. Börsianer wittern eine klassische Turn-around-Situation.

FRANKFURT. Die einfache Idee: Wenn der Diktator nach mehr als zwei Jahrzehnten stürzen sollte, ist der Weg frei in ein verlässliches Wirtschaftssystem mit Wachstum und ohne Korruption. Sicher nicht morgen, aber vielleicht übermorgen.

Bisher gibt es erst vage Vorboten eines Regimewechsels. Das reicht bereits für einen wachsenden Zustrom ausländischen Kapitals an die Börse in der Hauptstadt Harare. Rund 80 Aktien mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 4,5 Mrd. US-Dollar werden dort gehandelt. Es geht um einen winzigen Markt, denn beispielsweise allein der Daimler-Börsenwert ist um ein Vielfaches höher. Deshalb treiben nur hartgesottene Profis ihr Spiel in Harare. Die Kurse springen wild. Nach einem Crash im vergangenen Jahr kletterten sie während der letzten Monate um die Hälfte - der politischen Hoffnung wegen.

Das alles passiert in einem Land des Chaos. Plünderungen in dem 13-Millionen-Seelen kleinen Land sind an der Tagesordnung, die Wirtschaft kollabiert, während die Anrainerstaaten zulegen. Die Wechselkurse sind kontrolliert. Gleichzeitig führt das ehemalige Rhodesien die internationale Inflationshitliste mit 200 000 Prozent an. Die Regierung brachte gerade einen Fünfzig-Millionen-Dollar-Schein in Umlauf. Gegenwert: ein US-Dollar. Weimar lässt grüßen. In der deutschen Hyperinflation verbrannten die Menschen die Scheinebündel in den Öfen, weil der Heizwert größer war als ihr Wert für den Kauf realer Güter.

Der Gegensatz zwischen Realität und Hoffnung könnte nicht größer sein. Für die mutigsten der mutigen Investoren kommen Aktiengeschäfte vor Ort an der Börse in Harare kaum in Frage. Dieses Spiel bleibt Großanlegern vorbehalten. Gerade Rohstoffe sind wichtig für das geschundene Land. Fachleute nennen vor allem im Ausland notierte Firmen mit Geschäftsinteressen in Simbabwe. Das sind Unternehmen wie das in Sydney notierte Zimplats oder die in London gelistete Central African Gold, auch die südafrikanische Zuckergruppe Tongaat Hullett oder Mwana Africa mit einem Nickelprojekt in Simbabwe.

Anleger mit weniger Wettlust können auf Zertifikate wie ein Afrika-Produkt von ABN Amro mit einprozentiger Simbabwe-Quote setzen. Ganz auf den schwarzen Kontinent konzentriert sich das Londoner Anlagehaus Blakeney; der Hedge-Fonds Renaissance Capital ist stark in Simbabwe engagiert. Die südafrikanische Anlagegesellschaft Investec hält in ihrem Schwellenländerfonds einen 3,5-prozentigen Anteil an Firmen aus dem darniederliegenden Land. Aber die Fondsmanager sagen auch: Zwingend ist ein politischer Wechsel, dann bietet das Land große Chancen. Simbabwe ist eine Langfristwette für die mutigsten Investoren.narat@handelsblatt.com

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