Bulle & Bär
Simona sucht die Bühne

Da gibt es ein gar nicht so kleines und 150 Jahre altes deutsches Unternehmen. Das ist seit 1990 an der Börse gelistet, derzeit im gar nicht so unbeliebten General Standard, und dort 200 Mill. Euro schwer. An der Börse kennt das Unternehmen jedoch kaum jemand, weil es bisher selbst auch kaum Wert darauf legte, dass es jemand kennt.

HB FRANKFURT. Die letzte Bilanzpressekonferenz war 1995, in der Wirtschaftspresse war zuletzt Anfang des Jahrtausend davon die Rede. Aktien im Wert von zwei bis drei Millionen Euro werden davon derzeit gehandelt - im Monat versteht sich. Immerhin, denn vor einem Jahr waren es noch 200 000 Stücke im Monat.

Gibt es nicht, werden viele sagen. Doch: Das Unternehmen heißt Simona, stellt Kunststoffhalbteile für Kunden aus der Halbleiterindustrie bis zur Umwelttechnik her und sitzt in Kirn in Rheinland-Pfalz.

Doch nun soll alles anders werden: Das Simona-Management hat erstmals seit langem wieder Journalisten eingeladen, auch mit Investoren hat es das Gespräch gesucht, sogar eine Analystenstudie vom unabhängigen Researchhaus Solventis gibt es inzwischen.

Doch keine Angst: Die Gefahr, dass das Management plötzlich in blinden, kapitalmarktwütigen Aktionismus verfällt, ist gering. Eher ist es der Versuch eines ganz langsamen Spagats. Dabei stehen auf der einen Seite eine kleine Zahl an starken Altaktionären, meist sind es Erben oder der hauseigene Pensionsfonds, der die Betriebsrenten der über 1100 Mitarbeiter in der strukturschwachen Region sichert. Und da sind die Alteigentümerfamilien, die teilweise bis zu 30 Prozent der Aktien besitzen, direkt vor Ort wohnen und nicht allzu publik haben wollen, welche Summe sie beispielsweise allein an Dividende kassieren. Für das vergangene Jahr wurden schließlich beachtliche 7,50 Euro plus 1,50 Euro Jubiläumsbonus für die 150 Jahre Simona ausgeschüttet. Bei insgesamt 600 000 Aktien kann sich jeder selbst ausrechnen, was dabei im Einzelfall herauskommt.

Auf der Gegenseite steht das Management, dessen Produkte am Weltmarkt höchstes Ansehen genießen, übervolle Auftragsbücher besitzt und das gerade in den aufstrebenden Ländern China und Indien vermehrt Fuß fassen will. Aus einem Umsatz von 263 Mill. Euro in vergangenen Jahr sollen bis ins Jahr 2011 über 500 Mill. Euro werden. Dafür ist man sogar auf der Ausschau nach potenziellen Übernahmekandidaten.

Nun ist es nicht so, dass bei Simona eine Truppe nassforscher Uni-Absolventen das Management gekapert hätte. Vorstandschef Wolfgang Moyses führt dort schon seit 1999 die Geschäfte. Dass der Spagat aus ein bisschen Börse und ein bisschen heile Welt so nicht mehr fortführbar ist, hat er langsam und schonend den Altaktionären beigebracht.

Langsam bekommen dies auch die Anleger mit, nachdem der Kurs innerhalb eines Jahres um 40 Prozent angezogen hat. Nächstes Jahr soll es dann nach 13 Jahren Abstinenz sogar wieder eine Bilanzpressekonferenz geben.

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