Bulle & Bär
Sind die Investment- und Geldmarktfonds noch sicher?

Brauchen wir eine Staatsgarantie auch für andere Anlageformen? Dafür argumentiert Ingo Narat, dagegen Andrea Cünnen.

Pro: Ingo Narat

Die Bundeskanzlerin sagt: Einlagen bei Banken sind sicher. Das soll Vertrauen schaffen. Und das ist nötig. Die sich aufdrängende Anschlussfrage der Bürger hat Merkel allerdings nicht beantwortet: Sind jetzt alle anderen Anlagen unsicher? Das fragen sich beispielsweise Besitzer von Investmentfonds, auch von Geldmarktfonds, die traditionell als Hort der Stabilität gelten. Zu allem Unglück sind einige Produkte in die Schlagzeilen geraten, weil sie teilweise in Geldmarktpapiere investiert sind, bei denen die Märkte ausgetrocknet sind. Wenn ein Fonds hier Probleme hat, lässt sich das an der Wertentwicklung ablesen. Meist sind dann mehrere Prozent Verlust angefallen.

Merkels Staatsgarantie verzerrt jetzt den Wettbewerb. Bisher hatten Banken für Festgeld mit hohen Zinsen um Kunden gebuhlt, weil sie selbst in der Kreditklemme steckten und Geld brauchten. Hier wären Anleger mit ihren Einlagen zumindest ein theoretisches Risiko eingegangen. Dieses Risiko hat jetzt der Staat übernommen.

Geldmarktfonds sind wie alle Investmentfonds per Konstruktion pleitesicher, durch ihre breit gefächerten Anlagen liefen sie eine Risikostreuung. Das waren bisher wichtige Argumente. Die Staatsgarantie könnte nun panikartige Fondsverkäufe auslösen, die niemand wünschen kann. Die Politiker sind gefordert. Sie müssten - konsequent gedacht - auch hier in der Not beistehen. Das könnte bedeuten: Bei akuten Liquiditätsengpässen der Fonds auf geeignetem Wege Geld einschießen.

Contra: Andrea Cünnen

Sicher sind Geldmarktfonds sicher, weil das Kapital der Anleger - wie bei allen Fonds - bei einer Insolvenz der Fondsgesellschaft als Sondervermögen geschützt ist. Die Sicherheit hat aber einen hohen Preis. Selbst die besten Geldmarktfonds, die nicht in strukturierte Anleihen investierten, haben in den vergangenen drei Jahren im Schnitt nur 2,4 Prozent Rendite im Jahr gebracht.

Mehr ist auch schwer möglich, schon allein deshalb, weil die hohen Verwaltungsgebühren - meist um ein halbes Prozent - empfindlich an der Rendite zehren. Wer dann noch Ausgabeaufschläge von bis zu zweieinhalb Prozent zahlt, macht oft sogar ein Minusgeschäft, zumindest im ersten Jahr. Diese Kosten dürften vielen Anlegern nicht bewusst sein.

Dazu kommt das Problem, dass Anleger über die Fonds zwar täglich an ihr Geld kommen. Weil die Fondspreise täglich schwanken, ist der Fondsertrag aber schlecht kalkulierbar. Zudem ist es für Anleger nicht leicht nachzuvollziehen, mit welchen Produkten und Hebeln die Geldmarktfonds ihre Rendite erzielen.

Die oft besseren Konditionen von Banken und Sparkassen für Tages- und Festgeld waren für Anleger daher schon lange attraktiver als Geldmarktfonds. Wer dabei nicht mehr als 20 000 Euro anlegte, profitierte immer von der gesetzlichen Einlagensicherung plus den diversen privaten Sicherungseinrichtungen. Die Garantie der Bundesregierung für alle Sparformen hat die Sicherheit dieser Anlagen noch erhöht. Darüber mag sich ordnungspolitisch streiten lassen. Für Anleger sind Geldmarktfonds jetzt aber erst Recht unattraktiv.

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