Bulle & Bär
Solaraktien: Stars auf Zeit

Mit Superstars ist es so eine Sache: Der Aufstieg geht meist rasch und auf geradem Wege, sehr viel schwieriger ist es jedoch, den Heldenstatus zu verteidigen. Das ist bei Sportlern so, bei Hollywood-Stars oder im Musikgeschäft - und gewissermaßen auch an der Börse. Bestes Beispiel: Solaraktien.

FRANKFURT. Erinnern Sie sich noch an all die zunächst so erfolgreichen Rock-Barden aus Dieter Bohlens "Deutschland sucht den Superstar"? Nur sehr vage vermutlich. Die Halbwertszeit dieser Stars auf Zeit beträgt maximal zwei Jahre. Irgendwann sind sie runter von der Bühne - und keiner hat's gemerkt.

An der Börse ist das ähnlich; Stars sind schnell geboren. Nehmen wir die Solaraktien. Erneuerbare Energien, der Megatrend schlechthin. Innerhalb weniger Jahre vervielfachten sich die Kurse von Solarworld, Solon, Q-Cells oder Conergy. Ein Anleger etwa, der vor fünf Jahren 10 000 Euro in Solarworld-Papiere gesteckt hat, konnte für dieselbe Anzahl Aktien im Herbst vergangenen Jahres an der Börse 430 000 Euro verlangen. Der Traum eines jeden Aktienanlegers.

Mittlerweile ist die Euphorie verflogen. Der Absturz an den Börsen weltweit hat auch die Aktien der Solarkonzerne mitgerissen. Aus dem Aktienkurs von Conergy von über 20 Euro wurden 15 Euro, wurden zehn Euro, wurden fünf Euro, wurden 0,98 Euro. Ein Superstar als Pennystock; gedauert hat es gerade einmal ein gutes Jahr. Immerhin haben sich die Papiere von Conergy zuletzt wieder ein wenig stabilisiert. Gestern lag der Kurs bei rund 1,60 Euro.

Die Finanzkrise trifft die Branche auf zweierlei Weise. Solaranlagen und- Parks sind teuer. Weil die Banken im Moment aber zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind und Kredite nur zögerlich vergeben, kommen viele Anlagen nicht über den Planungsstatus hinaus. Die Nachfrage nach den Aktien sinkt schneller, als sie vor Ausbruch der Finanzkrise gestiegen ist.

Der zweite, nicht weniger wichtige Grund für den Absturz der Superstars ist der Ölpreis. Weil auch der wegen der schwachen Weltwirtschaft zuletzt kräftig abgesackt ist, wird die klassische Produktion von Strom wieder günstiger; umgekehrt nimmt die Bedeutung von Solarstrom - zumindest kurzfristig - ab. Viel wird deshalb davon abhängen, wie lange die Wirtschaftsflaute andauert.

Ein besonderes Merkmal von Börsensuperstars ist, dass ihre Kurse der tatsächlichen Entwicklung weit vorausrennen. Zwar gilt es als unstrittig, dass den erneuerbaren Energien die Zukunft gehört und Öl in hundert Jahren womöglich nur noch im Museum oder Internet bewundert werden kann. Noch ist das alles aber weit weg. Es wird dauern, bis die Solarkonzerne so wichtig für die Stromerzeugung sind, wie es ihre Aktienkurse der Börse lange Zeit vorgegaukelt haben.

Das war übrigens bei zahlreichen Internet-Aktien zu Zeiten des Neuen Marktes nicht anders. Viele dieser Stars sind im Laufe der Jahre von der Börse verschwunden. Einigen Solaraktien wird es ähnlich ergehen. Erst sehr viel später wird sich zeigen, wer die wahren Superstars sind.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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