Bulle und Bär
Sonne für den Dax

Manch einer wird sich bei dem Gedanken verwundert die Augen reiben: Die Solarwerte Q-Cells und Solarworld irgendwann einmal im Dax? Sind die nicht viel zu klein?

FRANKFURT. Nicht mehr, denn die stattlichen Kursgewinne der letzten Monate haben die beiden Aushängeschilder der deutschen Solar-Industrie zu Börsenschwergewichten gemacht. Rund 2,6 Milliarden Euro ist die ostdeutsche Q-Cells inzwischen den Börsianern wert, knapp 2,5 Milliarden sind es bei Solarworld.

Zum Vergleich: Altana als kleinster Dax-Wert bringt es gerade mal auf 3,2 Milliarden Euro. Die Abstände sind demnach längst nicht mehr so groß, wie es die unter Anlegern noch immer geläufige Unterscheidung zwischen dem unternehmerischen Establishment und Emporkömmlingen vermuten lässt. Immerhin bewegen sich das Börsengewicht von Q-Cells und Solarworld inzwischen in Größenordnungen so namhafter Werte wie Stada oder Bilfinger Berger.

Kritiker mögen einwenden, dass es vor sieben Jahren solche Fehlbewertungen schon einmal gab. Der Kinderfilmrechte-Händler EM.TV war damals mehr wert als die Lufthansa. Doch die Börsengewichte von einst sind mit denen von heute nicht mehr zu vergleichen. Damals basierten die Kurse der Emporkömmlinge zum größten Teil auf einer phantasievollen Definition der Zukunftschancen.

Heute sind die Kurse durch reales Geschäft unterfüttert. So hat der Q-Cells-Kurs zwar seit Juni vergangenen Jahres rund 50 Prozent an Wert zugelegt. Weil bei dem Unternehmen aus Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr der Umsatz jedoch um 80 Prozent und der Gewinn über 100 Prozent gestiegen sind, besteht kein Anlass, von einer Überbewertung zu reden. Ähnlich ist die Lage bei Solarworld.

Natürlich lassen sich solche Wachstumsraten nicht auf ewig fortschreiben. Doch immerhin rechnet beispielsweise Q-Cells für das laufende Jahr mit einem Umsatzplus von 30 Prozent. Eine Zahl, von der etablierte Unternehmen nur träumen können. Dabei ist das gerade erst aufkeimende USA-Geschäft noch gar nicht mit eingerechnet. Seitdem auch dort allmählich das Bewusstsein für Regenerative Energien wächst, reifen überall die Planungen für riesige Solarparks. Und weil deutsche Technologie inzwischen als weltweit führend gilt, fällt wohl ein Großteil des Geschäfts an die hiesigen Branchenriesen, glauben Experten.

Nun darauf zu setzen, dass Q-Cells und Solarworld in Kürze den Sprung in den Dax schaffen könnten, wäre sicherlich verfrüht. Die nächsten Aufstiegskandidaten, Merck und Depfa, sind mit ihrem Börsenwert von sechs beziehungsweise 4,7 Milliarden Euro noch weit entfernt. Geht das Wachstum der beiden Solar-Größen jedoch ähnlich weiter wie bisher, dann ist ein Dax-Aufstieg keine Utopie mehr. Für die deutsche Solar-Industrie bedeutete das einen riesigen Image-Gewinn. Und beinahe schon den Einzug ins Establishment.

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