Bulle & Bär
Spannende Energie-Wette

In der Energiediskussion geht es meist ums Öl, selten um Gas. Deutsche Verbraucher erinnern sich gerade mal an die Diskussion um den russischen Megakonzern Gazprom und dessen geplante Gas-Pipeline durch die Ostsee.

HANDELSBLATT. Und natürlich an die Klagen einiger Konsumenten gegen hiesige Gasversorger wegen Preiserhöhungen und den aktuellen Kartellstreit zwischen Stadtwerken und dem Lieferanten Eon Ruhrgas.

Die Preiserhöhungen erscheinen vor allem fragwürdig, wenn man sich die Entwicklung auf den Weltenergiemärkten anschaut. In den vergangenen beiden Jahren hat sich der Ölpreis in der Spitze fast verdoppelt, der Gaspreis liegt hingegen auf seinem Ausgangsniveau. Besonders dramatisch ist das laufende Jahr: Öl kletterte tendenziell weiter nach oben, während der Gaspreis um mehr als die Hälfte kollabierte.

Zur Jahreswende wurden für eine Mill. BTU (British Thermal Units, ein 1 055 Joule entsprechendes Wärmeäquivalent) an der Terminbörse Nymex mehr als 15 Dollar gezahlt, derzeit nur noch knapp über sieben Dollar. Grund für die Talfahrt war ein außergewöhnlich warmer Winter mit geringem Gasverbrauch im wichtigen Konsumentenland USA. Dazu kommen hohe Lagerbestände und eine jetzt schlechte Stimmung am Markt.

Für Anleger bietet diese Preisentwicklung eine interessante Investitionschance. Gas ist im Verhältnis zu Öl unterbewertet. In den vergangenen zwei Jahrzehnten gab es nur drei Situationen, in denen der Gaspreis – relativ gesehen – so tief war wie momentan. In allen Fällen normalisierte sich die Relation innerhalb kurzer Zeit. Dabei stiegen die Gaspreise überproportional, verdoppelten oder verfünffachten sich sogar.

Dass die Preisrelation so nicht haltbar ist, hat auch das US-Amt für Energieinformationen erkannt. Laut Schätzung der Behörde ist bei aktuellen Preisen die Erzeugung einer bestimmten Wärmemenge mit Gas nur halb so teuer wie mit Öl. Langfristig wittern die Experten von der Internationalen Energiebehörde zudem einen Trend zur Gasverflüssigung. Flüssiggas ist leichter zu transportieren. Auch das müsste die Nachfrage treiben. Mutige Anleger denken jetzt auch schon an mögliche Folgen der gerade startenden Hurrikansaison in den USA. Ein Sturm von ähnlichem Ausmaß wie „Katrina“ im vergangenen Jahr könnte schwere Schäden an Förderanlagen verursachen und damit das Angebot verknappen und die Preise treiben.

Wer auf einen steigenden Gaspreis setzen will, kann dies direkt über Aktien tun. Zu den größten nordamerikanischen Gasförderern zählt beispielsweise Encana. In den vergangenen sechs Jahren hat sich der Kurs der Aktie versiebenfacht. Darüber hinaus bieten einige Banken Zertifikate an, die den Gaspreis eins zu eins abbilden. Ganz Mutige werden vielleicht über Hebelzertifikate nachdenken. Mit diesen profitieren sie überproportional von steigenden Preisen.

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