Bulle und Bär
Spekulationsobjekt Öl

Beim Ölpreis sind Analysten geteilter Ansicht: Hinauf auf 135 Dollar, sagen die einen, hinunter auf 60 Dollar, sagen die anderen. Nur vorübergehend scheint Ruhe eingekehrt zu sein.

FRANKFURT. Nach seinem Rekordhoch bei über 90 Dollar für das Barrel (159 Liter) der Richtmarke WTI ist Verschnaufen angesagt. Das war auch nötig. Der Schmierstoff der Wirtschaft ist zehn Mal so teuer wie vor neun Jahren, allein in diesem Jahr legte er um mehr als zwei Drittel zu.

Für den Öl-Guru in den USA, Matthew Simmons, steht die Preisrichtung fest: nach oben. Seiner Meinung nach werden bereits Meldungen über geringere Lagervorräte ausreichen, um den Preis weitere zehn bis 15 Dollar Richtung Norden zu schicken. Simmons analysiert schlicht: Die Nachfrage steigt schneller als das Angebot. Und das weltweite Angebot ist möglicherweise schon im Sinken begriffen. Davor, dass der Höhepunkt der Ölförderung überschritten wird, müsse sich jeder fürchten, meint der Mann aus Houston.

Auch Goldman Sachs bleibt seinem Bullen-Image treu. Die Investmentbank erhöhte jetzt die Handelsspanne für ihr Szenario als Reaktion auf die wachsende Nachfrage. Vor zwei Jahren hatte Goldman mit der Theorie über einen möglichen Ausschlag des Preises nach oben Schlagzeilen gemacht. Damals setzten die Goldmänner die Zielmarke bei 105 Dollar. Jetzt legen sie die Latte höher: auf 135 Dollar. Nur deutlich höhere Preise können laut den Experten die weiter wachsende Nachfrage bremsen.

Wirtschaftliche Betrachtungen sind die eine Seite, Politik ist die andere. Die Unruhen im Nahen Osten und Nordirak halten die Ölmärkte in ihrem Bann. Gefahren gehen auch weiterhin vom Atomkonflikt mit Iran aus. Sowohl Iran als auch die USA haben gerade eine schärfere Gangart eingeschlagen. ING-Analyst Charles Robertson hält dennoch die aktuelle Gefahr einer Eskalation mit einem daraus folgenden Ölpreissprung für relativ gering - derzeit jedenfalls. Der Analyst hatte im Frühjahr mit einer Studie unter dem prägnanten Titel "Attacking Iran" über die Folgen einer Militäraktion in Iran Aufsehen erregt.

Die Bären sind unbeirrt. Analysten der ABN Amro Bank erwarten fallende Notierungen im restlichen Jahresverlauf. Rein fundamental liegt ein Gleichgewichtspreis nach Meinung der Banker bei 74 Dollar. Aus der Asien-Niederlassung der Credit Lyonnais sind noch skeptischere Töne zu hören: Ohne starke geopolitische Spannungen sollte sich der Ölpreis in den kommenden Jahren in der Spanne von 60 bis 65 Dollar einpendeln.

So muss sich der Anleger auf die Seite der Bullen oder Bären schlagen. Bei den Bullen wie Simmons kann er sich immerhin auf die jahrzehntelange Erfahrung von Insidern verlassen. Zu der Riege gehört übrigens auch für eine andere lebende Legende der amerikanischen Ölindustrie: Boone Pickens. Seine Prognose: Der 100-Dollar-Ölpreis kommt - vielleicht noch in diesem Jahr.

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