Bulle & Bär
Spenden, aber richtig

Spendensammler haben im Moment keine gute Zeit. Der Skandal bei der deutschen Unicef ausgerechnet in der "Hauptsaison" der Branche vor Weihnachten hat die möglichen Geldgeber verunsichert. Viele potenzielle Spender fragen sich: Wie lässt sich der Nutzen des verschenkten Geldes möglichst gut absichern?

DÜSSELDORF. Dieses Jahr ist keine gute Saison für die Spendensammler. Der Skandal - oder Scheinskandal - bei der deutschen Unicef ausgerechnet in der "Hauptsaison" der Branche vor Weihnachten hat die möglichen Geldgeber verunsichert. Außerdem gibt es keine große, medienträchtige Katastrophe, die bei den Leuten das Geld locker macht. Im Umkehrschluss heißt das: Wer jetzt auf eines der zahllosen Bittschreiben reagiert und spendet, dessen Geld ist hochwillkommen. Nur - was ist dabei zu beachten? Wie lässt sich die "Rendite", also der Nutzen des verschenkten Geldes möglichst gut absichern?

Zunächst gibt es, dies ist der Standardtipp, die Website www.dzi.de. Dort finden sich jede Menge Informationen rund ums Spenden. Außerdem lässt sich feststellen, welche Organisationen das DZI-Siegel tragen; das entspricht quasi einem Spenden-Tüv (DZI steht für Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen, die Organisation ist weithin anerkannt).

Das ist aber noch nicht alles. Ähnlich wie bei der schnöden Geldanlage ist es auch beim Spenden nicht sonderlich sinnvoll, dem Herdentrieb zu folgen. Bei großen Katastrophen, etwa nach dem Tsunami vor drei Jahre, kommen in der Regel riesige Spendensummen zusammen. Oft mehr, als zunächst überhaupt sinnvoll auszugeben ist. Nach einer Weile reißt der Strom dann plötzlich ab, und viele Projekte, die auf Dauer angelegt sind, geraten in eine Finanzkrise. Sinnvoller ist daher, häufiger für Projekte zu spenden, die kontinuierlich gepflegt werden und abseits vom Medienrummel laufen.

Ein weiterer Gesichtspunkt: Besonders hilfreich sind Projekte, bei denen möglichst viel Wertschöpfung vor Ort stattfindet. Wenn zum Beispiel Arsenfilter für Brunnen in Bangladesh eingesetzt werden, die im Land entwickelt wurden und auch produziert werden. Oder wenn bei Programmen zur Nahrungsmittelhilfe die Vorräte in der Region gekauft werden; wenn nicht, können derartige Programme nämlich die traditionelle Landwirtschaft ruinieren.

Wer eine Organisation aussucht, sollte darauf achten, dass sie sich auf bestimmte Themen oder vielleicht einzelne Länder konzentriert. Das ist glaubwürdiger, vor allem bei kleineren "Anbietern", als wenn so ziemlich alles, was Aufmerksamkeit erheischt, im Programm steht. Manchmal ist es auch möglich, über Schulen oder Kirchengemeinden direkt Kontakt zu einer nahe gelegenen Organisation zu bekommen und sich ein Bild von ihrer Arbeit zu machen. Entscheidend ist auch die Frage: Werden Projekte tatsächlich überwacht? Wenn das geschieht, was sehr sinnvoll ist, dann kostet das auch etwas, aber dieses Geld ist gut angelegt.

Für Unternehmen, die spenden wollen, steht letztlich die Frage im Vordergrund: Was passt zu uns? Es kann Anknüpfungspunkte über die Branche geben. Oder ein Konzern fördert gezielt Projekte im Umfeld einer ausländischen Niederlassung. Alles steht und fällt mit der Glaubwürdigkeit des Projekts. Und auch hier gilt: Wenn die Sache einen Nutzen haben soll - für den guten Zweck wie für das Firmenimage - dann ist ein dauerhaftes Engagement sinnvoll.

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